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Zuckerentzug Teil 3 – Neues aus dem Reich des Hungers

15. Oktober 2017 | Tags: Artikel und Studien

Bitte beachten Sie

Ich habe einige außergewöhnliche Behandlungsansätze, die sich nicht in Büchern wiederfinden. Diese sind meist konsequent weitergedachte schulmedizinische Betrachtungsweisen. Um mich und meine Arbeit besser kennenzulernen, stelle ich diese hier dar. Ich diskutiere diese gerne mit Ihnen und stelle etwas pointiert dar, um zum Austausch anzuregen. Dieser Blog ist weder Ausbildung, noch zum Nachahmen gedacht und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Therapie. Aber vielleicht lachen Sie. Und dann vielleicht doch.

Hier ein kurzes Zwischenupdate nach mittlerweile drei Wochen.

Was bisher geschah: Montag vor drei Wochen habe ich ausprobiert, ob Zucker tatsächlich abhängig macht oder nur eine Kalorie wie jede andere ist. Ob sich irgendetwas verändert, wenn ich Zucker weglasse, abgesehen davon, dass mein Kaffee furchtbar bitter schmeckt. Und weil ich schon mal die Ärmel hochgekrempelt habe, habe ich und die Beste Ehefrau von allen gleich noch Salz, Kohlenhydrate, Geschmacksnerven und Spass am Essen weggelassen. Wenn schon, dann konsequent! Damit uns nichts Lebenswichtiges fehlt, haben wir einer Mangelernährung  mit Vitaminen, Mineralien, Aminosäuren, Q10 und Gemüseextrakten mit Ballaststoffen vorgebeugt. Die ersten vier Tage waren mörderisch: Kopfschmerzen, Schwindel, Schweißausbrüche, Hitzewallungen und Händezittern. Dabei mörderischer Zuckerhunger. Alles schmeckte nach Pappe. Auch die Pappe, aber das war ein Versehen. Nach fünf Tagen konnte erst von einer gewissen Normalität gesprochen werden. Sport war wieder möglich, davor war daran nicht zu denken. In der zweiten Woche hatte man sich an den Mangel etwas gewöhnt. Alle Rezepte aus dem Buch waren mehrfach durchgekocht, leider wurde es nicht besser. Ich habe von Pommes geträumt und konnte kein Rührei mehr sehen. Ich habe auch einfach nicht genug Spucke für so eine trockene Putenbrust zusammenbekommen. Der kulinarische Aspekt hat sich dramatisch verbessert, als wir die erlaubten Zutaten in die Thermomix App eingegeben haben. Plötzlich kamen da großartige Rezepte heraus, bei denen man locker Salz und Zucker weglassen konnte, sofern vorgegeben. FlavDrops muss ich an dieser Stelle positiv erwähnen, Entdeckung des Jahres. Raus aus der Post, und sofort erstmal 15 Tropfen  Vanillearoma in einen Becher Kaffee. Das ganze umrühren und direkt in die Spüle kippen. Dann die Anleitung durchlesen und mit zwei Tropfen schmeckt der Kaffee schon viel besser.

Nach zwei Wochen den ersten Cheattag. Mein Freund Gunnar hat mich zur Hauseinweihung eingeladen und streng nach meinen Vorgaben Hambuger vorbereitet. Natürlich ohne Brötchen und mit frischem Hack. Leider auch mit selbstgemachtem Chutney und einer sagenhaften Guacamole. Habe ich schon von dem Lavacake in der Tasse erzählt? Mit einer mini, also sehr kleinen Kugel Eis. Kaum zu sehen.

Bumm, nächste Tag plus 1 kg. Konnte es kaum fassen. An diesem Abend habe ich mich fast eine ganze Woche wieder abgearbeitet!

Nach drei Wochen habe ich mehr Geschmacksnerven, schmecke viel mehr, daher Vorsicht mit den FlavDrops. Keinerlei Tagesmüdigkeit mehr, insbesondere Nachmittags oder nach dem Essen. Fit bis in die Abendstunden. Konzentration leicht gebessert, Stimmung aber eher weniger. Hunger und Reizbarkeit scheinen eine heimliche Allianz eingegangen zu sein. Von 83 auf jetzt 76,8 kg. Sehr deutlich sichtbar. Könnte noch etwas mehr sein, obwohl ich 78 als realistisches Wunschgewicht angegeben habe.

Ein Patient meinte, mein Leptin würde endlich wieder wirken, daher käme das. Sag ich genau! Ja. Das Leptin. Wirkt jetzt wieder richtig. Haha.

Zuhause erstmal nachgelesen, was das ist. Nie gehört davon. Demonstrative Sachkenntnis bei völliger Ahnungslosigkeit. Hat immer schon geholfen. Damals, als in der Neurologie kein Oberarzt mit zu meiner ersten Lumbalpunktion mitkommen wollte. Super schwer, mit der Nadel das Rückenmark anzuzapfen. Eine erfahrende Krankenschwester ist mitgekommen und hat mir geholfen, weil sie das schon so oft gesehen hatte. Sagt sie zu mir: „Hier wird desinfiziert, hier unten reingestochen, dann langsam nach vorne. Brauchen Sie keine Angst haben, das klappt schon.“ Meint die Patientin, sie wolle das gar nicht so genau wissen. Die Schwester schaut mich fragend an: „Ich meine sie gar nicht, ich unterhalte mich grad mit dem Arzt.“

Also Leptin. War ich doch etwas überrascht. Zucker stimuliert Insulin. Das bringt den Zucker erst in die Muskeln, dann in die Fettzellen. Wenn die voll sind, wird Leptin ausgeschüttet und signalisiert: Satt! Also ein appetitzügelndes Hormon. Gleichzeitig sorgt es für die Verwertung von Fett aus den Fettzellen. Klingt super, wo kann ich das das bestellen? Jetzt das Problem: Übergewichtige Menschen haben reichlich Leptin im Blut. Soviel, dass der Körper das Signal ignoriert. Unter anderem, weil Zucker resistent gegen Leptin macht. Daher bekommen wir wohl bei Essen von Süßigkeiten kein Sättigungsgefühl, oder haben Sie schon mal nach einem Stück Schokolade aufgehört? Seit ich durch den Zuckerentzug durch bin habe ich ganz selten noch Hunger. Appetit schon, aber keinen Hunger mehr. Mahlzeiten auszulassen sollten man nicht machen, es ist aber kein großes Problem. Und der Gedanke an trockene Putenbrust hilft dabei auch etwas.

Ab morgen ist Vollkornbrot erlaubt und Linsen, herrlich. Ich werde langsam wieder an eine normale, aber weiterhin zuckerfreie Ernährung herangeführt. Und an meine Freunde vom Blockhouse: Ich bin bald wieder da. Hört auf hier anzurufen, es geht mir gut!

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