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Die richtige Arztwahl – Doc Wassmuth und das ewige Leben Teil 5

13. März 2018 | Tags: Facharzt für ironische Medizin

Bitte beachten Sie

Ich habe einige außergewöhnliche Behandlungsansätze, die sich nicht in Büchern wiederfinden. Diese sind meist konsequent weitergedachte schulmedizinische Betrachtungsweisen. Um mich und meine Arbeit besser kennenzulernen, stelle ich diese hier dar. Ich diskutiere diese gerne mit Ihnen und stelle etwas pointiert dar, um zum Austausch anzuregen. Dieser Blog ist weder Ausbildung, noch zum Nachahmen gedacht und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Therapie. Aber vielleicht lachen Sie. Und dann vielleicht doch.

Die richtige Arztwahl

Heute geht es um die richtige Arztwahl. Klingt merkwürdig, weil wir in den letzten Ausgaben über Vitamine und Ernährung gesprochen haben. Was soll das mit dem ewigen Leben zu tun haben? In anderen Zusammenhängen ist es aber sofort einleuchtend. Wenn wir ein Haus bauen wollen, ist die Wahl eines guten Architekten ganz oben auf der Liste. Der richtige Schönheitschirurg, der Hersteller des Haushaltsgerätes, die richtige Autowerkstatt. Einen guten Elektriker zu finden ist eine Lebensaufgabe. Wenn Sie einen haben, der nicht nur an Geld interessiert ist, sondern Ihnen auch helfen möchte, halten Sie ihn fest. Wenn Sie nicht glauben, dass das einen Unterschied macht, schicke ich Ihnen Rudi vorbei. Rudi war der einzige Elektriker den ich über Kontakte bekommen konnte, als ich die Beleuchtung für unsere Einfahrt geplant habe. Nach einem zehn minütigen Vortrag über die genaue Schaltung der Bewegungsmelder fasste er die ganze Komplexizität der Situation mit einem einzigen Satz zusammen: „Ach was, nennen´s mich ruhig Rudi!“ Rudi hatte nichts von dem Gesagten verstanden, behielt diese Information aber für sich. Er schraubte drei Stunden an einer Leitung, die er dann aus der Wand riss. Er erklärte mir, dass er dringend ein bestimmtes Teil bräuchte und dieses jetzt aus dem nächsten Baumarkt hole. Der ist glücklicherweise nur 200 Meter entfernt. Irgendetwas hat den Rudi leider aufgehalten, aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben.  Das ist jetzt drei Jahre her. Ich schaue mir gerne die Kabel an. Insbesondere bei hoher Luftfeuchtigkeit schlagen die gerne Funken, das leuchtet in der Garage sehr schön im Dunkeln. So leicht bläulich. So etwas sollte Ihnen besser nicht mit ihrem Chirurgen während der OP passieren.

Originaltöne

Hören wir mal wieder in den Praxisalltag der letzten beiden Wochen hinein. Ich verwende wie immer nur Originaltöne:

„Im Mai ist es endlich so weit. Da habe ich den Termin beim Neurologen zur Abklärung meiner MS, über den wir im November gesprochen haben.“

„Zur Abklärung meines Lippenbefundes habe ich von meinem Hausarzt eine Überweisung zum Hautarzt bekommen. Da habe ich aber erst in sieben Monaten einen Termin, obwohl es Krebs sein könnte. Ich bin dann aus Verzweiflung in die Notaufnahme gefahren, weil die mich ja untersuchen müssen. Vier Stunden habe ich gewartet, dann hat mir ein sehr schäbig aussehender Arzt mitgeteilt, dass er für sowas nicht zuständig sei. Ich hab ihn kaum verstanden, weil er Ukrainer war. Er hat mich wieder zum Hausarzt geschickt, ich soll eine Dringlichkeitsbescheinigung holen. Mit der bin ich wieder zum Hautarzt und hatte innerhalb von vier Wochen einen Notfalltermin. Der Hautarzt hat nur kurz draufgeschaut und mir eine Antibiotikacreme gegeben. Weil ich die schon vom Hausarzt bekommen hatte, hat er mir eine Überweisung zum Chirurgen gegeben. Auf diesen Termin habe ich wieder drei Monate gewartet. Der Chirurg meinte, man müsste die gesamte Lippe wegschneiden und das Gesicht würde danach schief sein. Ich sollte mir das überlegen. Der Kontakt dauerte fünf Minuten. Fragen stellen konnte ich nicht mehr. Ich würde gerne eine zweite Meinung holen, aber bei wem denn?“

„Wenn ich etwas esse, verschlucke ich mich häufig. Ich habe eine Magenspiegelung bekommen, aber da war nichts zu sehen. Ich hatte ja mit Ihnen besprochen, dass es gar nicht um ein Magenproblem geht, sondern um die Speiseröhre. Daher hat mein Hausarzt mir eine Überweisung zur Schluckuntersuchung gegeben. Da war ich, die wollten aber die Schluckuntersuchung nicht machen, sondern haben nur noch eine Magenspiegelung gemacht, diesmal aber dabei genauer die Speiseröhre untersucht. Dort sind Verletzungen, man wisse aber nicht woher. Ich habe vom Hausarzt einen Säurehemmer bekommen, damit ist es etwas besser. Aber das Problem ist ja das Verschlucken, oft muss ich mich danach übergeben. Ich kann gar nicht mehr auf Geschäftsessen gehen. Jetzt weiß ich auch nicht weiter.“

„Ich war bei einer Augenärztin hier um die Ecke wegen einer Hornhautentzündung. Ich musste eine Sehprüfung machen, bevor ich zur Ärztin vorgelassen wurde. Ich erklärte, dass ich wegen der Hornhautentzündung nichts sehen könne, daher nütze das nichts. Die Sprechstundenhilfe sagte, ohne Sehstärke werde niemand vorgelassen. Ich machte aus Verzweiflung diese Prüfung und es war wie im Film: „Wie lautet die erste Zahl?“ „Welche Zahl?“ „Die auf der Tafel“ „Welche Tafel?“ „Na, die an der Wand!“ „Welche Wand?“ Hat dennoch 8,18 Euro gekostet. Die Ärztin selbst wollte mich erst untersuchen, wenn sie meinen Augeninnendruck kennen würde. Ob der etwas mit meiner Entzündung zu tun habe, sollte ich ihr überlassen. Nochmal 12 Euro später hat sie mir eine antibiotische Augensalbe verschrieben. Mit der Entzündung hat sie sich am wenigsten beschäftigt.“

Heute im Ärztenachrichtendienst: „In Baden-Würtemberg können 500 Hausarztpraxen nicht nachbesetzt werden. Die KV stelle Ärzte an, die in den Praxen arbeiten, weil keiner selbständig arbeiten möchte. KV und BWKG fordern deshalb von der Politik, die Rahmenbedingungen auf Bundes- und Landesebene schnell zu verbessern. Man müsse den Arztberuf wieder attraktiver machen. Dazu sei es nötig, den dringend notwendigen Bürokratieabbau endlich anzugehen. Ärzte in den Praxen und Krankenhäusern verbrächten einen stetig wachsenden Teil ihrer Arbeitszeit mit Dokumentation. Diese Zeit fehle ihnen für die Behandlung der Patienten. Diese führe zu Frust unter den Ärzten. Auch eine angemessene Finanzierung der Leistungen in der ambulanten und stationären Versorgung sei wichtig. „Vor 25 Jahren hatte die Politik einen umfassenden Maßnahmenkatalog erarbeitet, um die Zahl der niedergelassenen Ärzte aus Kostengründen zu beschränken. Das betrifft die Niederlassungsmöglichkeiten, die Abrechnung, Verordnungen und vieles mehr. In dieser Denkweise agieren die verantwortlichen Politiker heute noch, obwohl wir von der damals gefühlten Überversorgung nun in der Unterversorgung angekommen sind“

„Ich brauche Sie gar nicht mehr!“ „Das freut mich aber“ „Meine Versicherung, die Inter, hat mir mitgeteilt, dass ich anstatt zum Arzt zu gehen auch das Recht auf eine 30 minütige Coachingsitzung am Telefon habe. Das ersetzt die Therapie und wird direkt vom Sachbearbeiter durchgeführt, der sich auch mit meinen Unterlagen auskennt.“

„Wegen meiner starken Herzschmerzen war ich beim Kardiologen. Er hat sich das EKG angesehen und meinte, mit absoluter Sicherheit sei alles in Ordnung, auch der Blutdruck und der Puls. Weitere Untersuchungen wie Langzeit EKG oder Echo lehnte er ab. Ich wies darauf hin, dass im Internet stehe, dass in einem einfachen EKG nichts gesehen werden könne. Das interessierte ihn aber nicht. Das gesamte Gespräch hat drei Minuten gedauert und in dieser Zeit hat er noch mit einem anderen Patienten telefoniert. Fragen stellen durfte ich auch keine. Und meine Herzschmerzen abends sind unverändert. “

Alleine die letzte Geschichte erklärt uns, warum die richtige Arztwahl Leben verlängert. Alle dies Geschichten sind aus den letzten beiden Wochen und jeden Tag kommen neue. Der Tenor ist immer der gleiche: Keine Termine und sehr kurze Behandlungszeiten, die viele Fragen offen lässt. In der aktuellen Bürgerversicherungsdiskussion wird oft gesagt, dass privat Versicherte diese Probleme nicht hätten. Bis auf einen Fall sind alle privat versichert. Einer davon bin ich selbst, aber ich sag nicht welcher. Nur soviel: Ich kann trotz Behandlung wieder sehen!

Vertrauenskrise

Wir befinden uns in einer Entwicklung, die wir vielleicht noch aufhalten können. Wir haben diese Entwicklung schon oft gesehen, daher ist sie alles andere als neu. Wer von Euch erinnert sich noch an die späten Siebziger? Man hatte einen guten Freund, der bei der Versicherung arbeitete und hat diesem alle versicherungstechnischen Angelegenheiten überlassen. Man war in besten Händen und konnte beruhigt schlafen. Falls eine Scheibe kaputt ging, hat sich der Freund drum gekümmert. Wenn es ein guter Freund war, hatte er sie ungeschickterweise sogar selbst kaputt gemacht. Im Laufe der Zeit haben sich die Versicherungen immer mehr ökonomischen und immer weniger moralischen Grundsätzen unterworfen. Googelt mal Vertrauen in Berufsgruppen und schaut, wo heute Versicherungsvertreter stehen. Ich verrate nur soviel: Ihr müsst weit runter scrollen. Noch in den 90er Jahren habe ich bedenkenlos meinem Berater der Bank vertraut. Diese wurden systematisch zu fragwürdigen Beratungen gezwungen. Wer dies mit seinem Gewissen nicht ausmachen konnte, hatte ein sehr schweres Leben. Niemand würde heute etwas kaufen, nur weil es der Bankbeamte vorgeschlagen hat. Im Vertrauen der Bevölkerung liegen sie nur knapp über den Versicherungsvertretern. Aber wer lag die letzten 50 Jahre unangefochten auf Platz 1? Ärzte. Wir mussten ihnen vertrauen! Was sollten wir sonst tun? Dieses Jahr sind Ärzte noch auf einem guten 5ten Platz, knapp vor Strassenbahnfahrern.

Was ist passiert?

Aber was ist passiert und wie können wir diese Entwicklung aufhalten? Viele Freunde von mir wurden nach der Schule Bänker. Alle von denen sind nette Jungs. Sie hatten die Motivation auf einen guten, sicheren Job, ein gutes Einkommen und nicht zu viel Stress wie durch ein Studium. Sie wollten auch gleich Geld verdienen und hatten auch keine Lust mehr auf lernen. Nicht einer von denen ist mit der Motivation gestartet, alte Omis aufs Kreuz zu legen. Meine Studienkollegen hatten auch alle eine ähnliche Motivation. Sie wollten Menschen helfen, ein gutes Gehalt und ein gutes Ansehen in der Bevölkerung haben. Wer noch mehr verdienen wollte, wurde Wirtschaftswissenschaftler, aber die haben wir schon damals genau deswegen verachtet. Im Gegensatz zu uns liefen die schon damals wie Unternehmensberater durchs erste Semester. Wir Mediziner sahen eher wie Sozialarbeiter aus. Aber auch, weil wir uns keine besseren Klamotten leisten konnten. Schon im ersten Semester war der Weg klar: Fünf Jahre Studium, das wir uns in Nebenjobs erarbeiten mussten. Danach ein praktisches Jahr, für das wir kein Geld hatten aber auch keine Zeit für Nebenjobs, weil es schon eine richtige ärztliche Tätigkeit war. Dann kamen zwei Jahre Arzt im Praktikum, für die ich fünfhundert Euro brutto bekam, im zweiten Jahr wurde das auf 650 erhöht. Danach kamen mindestens 5, meist 10 Facharztausbildungsjahre. Über Jahre davon stand immer die gleiche Zahl auf meinem Gehaltszettel: 3350 DM, also für die jüngeren unter uns: 1675 Euro Auszahlung. Da waren 4-5 Nachtdienste bereits enthalten, die damals noch 36 Stunden dauerten. Wer rein finanzielle Interessen verfolgte, hätte diesen Weg niemals gehen können. Meine Bänkerfreunde hatten längst Häuser und Familien, daran war überhaupt nicht zu denken. Wir haben durchgehalten, weil wir wussten, dass mit dem Facharzt und der eigenen Praxis endlich das gute Leben kommen würde. Gutes Gehalt und endlich die Arbeit, die wir uns gewünscht haben. Auch damals war uns klar, dass Praxisarbeit 70 Stunden pro Woche bedeutet.

Jackpot Chefarzt

Anfang der 2000 er kam der Schock. Chefarztverträge, egal wie selten, galten immer als der Jackpot. Dafür lohnte sich die Mühe und alle Opfer. Plötzlich bekamen die Chefärzte nicht mehr eine halbe Million Jahresgehalt wie der Chef eines großen Unternehmens, sondern hunderttausend Euro ohne Nebneverdienst. Immer noch gut, aber kein Jackpot mehr. Nach Regressen, Budgetierungen, Obergrenzen mussten die ersten Praxen schließen, die nicht an einer strengen ökonomischen Führung zur Gewinnmaximierung interessiert waren. Die bereits eine Praxis hatten, versuchten neue Märkte zu erschließen, Igel Leistungen erschienen, Augentropfen wurden von der Arzthelferin verkauft. Der Patient wurde als Kunde gesehen, den es zu gewinnen und auszuschöpfen galt. Wir, die wir noch in der Facharztausbildung waren, bekamen Panik. Das war niemals die Arbeit, die wir wollten. In Scharen gingen Kollegen zu Versicherungen, Wirtschaftsunternehmen, Unternehmensberatungen. Wer noch nicht weit in der Facharztausbildung war, verließ fluchtartig das Land. Ich selbst wollte das auch machen. In einer Recherche fand ich heraus, dass im internationalen Vergleich von 135 Ländern zum Verdienst von Ärzten Deutschland auf einen guten 134 Platz kam. Darunter war Tansania. Ich bewarb mich in Dubai, Bournemouth und Australien. In Dubai hätte ich 5000 Dollar netto, ein Haus und einen Chauffeur mit Auto als Einstiegsgehalt bekommen. England meldete sich nicht. In Australien habe ich einen Vertrag auf Frazer Island bekommen für 400000 Dollar pro Jahr und Freitag Nachmittags frei zum Surfen.

Das heißt nicht, dass man in Deutschland schlecht verdient als Arzt. Auf der Seite des niedersächsischen Ärzteblattes lassen sich die Gehälter aller Arztgruppen für jeden nachlesen. Pro Quartal sieht man da das Einkommen eines Psychiaters und Psychotherapeuten mit 36000 Euro beziffert. Pro Monat sind das 12000. Nach Praxiskosten bleiben 6000 Euro. Netto sind das 3000 Euro, was nicht schlecht ist im bundesweiten Vergleich der Einkünfte. Krankheit und Urlaub müssen da mit drin sein, also besser nicht krank werden.

Leider bekommen dieses Geld Menschen, die mittels eines harten Systems aus den Besten der Besten ausgesiebt werden: Mit dem Numerus Clausus, der grade bei 1,2 (wahlweise gibt es auch einen Test, oder eine Auswahl durch ein persönliches Gespräch) liegt, hat man die Besten aus jedem Abijahrgang ausgewählt. Die ersten Jahre des Studiums sind nur dazu da, aus denen nochmal auszusieben. Bei uns wurden da aus anfänglichen 110 Studenten schnell 70 und weniger. Und genau diese verwenden ihre Intelligenz im Moment dafür, sich Einnahmequellen auszudenken und nicht neue Heilmethoden. Wir haben es also mit Leuten zu tun, die in jedem anderen Beruf mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr viel mehr verdienen würden. Wenn jetzt neben der Bezahlung noch das Ansehen schwindet, wird es mit der Motivation für den Arztberuf eng. Es ist mit dem Profifussball zu vergleichen. Es ist nicht so, dass ein Thomas Müller nicht auch mit 3000 Euro pro Monat gut leben könnte. Man könnte ohne weiteres das Gehalt von Fussballern staatlich. Das Problem ist, dass er wohl sehr schnell nach England oder Italien wechseln würde. Und dahin verschwinden unsere Ärzte auch.

Geld ist da

Mit Medizin werden immer noch große Profite gemacht. Die Pharmaindustrie hat Medikamente, von denen eine Tablette 700 Euro kostet. Hepatitis C Patienten müssen die jahrelang täglich nehmen. Krankenhauskonzerne sind bestrebt, Gelder der Ärzte in die Krankenhäuser zu holen. Als ich im Jahre 2005 im Robinson Club mit Burkhardt Volleball gespielt habe, hat der damit angegeben, einer Gruppe anzugehören, die Krankenhäuser systematisch aufkauft und nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten umbaut. Er lachte und meinte, das sei eine Umschreibung für systematischen Stellenabbau. Er könne es kaum glauben, wie billig Ärzte in Deutschland zu haben sind. Während er die Mitarbeiterzahl runterdreht, muss der Chefarzt die Verantwortung übernehmen, wenn etwas passiert. Und das Beste: Wenn der Chefarzt in den Knast kommt – und das muss er irgendwann, weil er Verantwortung für etwas übernimmt, was er ohne Mitarbeiter gar nicht mehr gewährleisten kann – gibt es wieder einen neuen Arzt, der unbedingt wieder Chefarzt werden will. Damit auch Gelder aus dem niedergelassenen Bereich in die Krankenhäuser wandern, werden Politiker gekauft, die entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung haben. Lothar Klein schreibt auf der Seite Apotheke-Adhoc am 02.08.17: „Die Nebeneinkünfte von SPD-Fraktionsvize Lauterbach beziffert abgeordnetenwatch.de auf 122.000 Euro bis knapp 253.000 Euro. Damit liegt er auf Platz 49 der Gesamtliste. Lauterbach war bis Herbst 2013 Mitglied des Aufsichtsrats der Rhön-Klinikum AG in Bad Neustadt/Saale und erhielt dafür in der neuen Wahlperiode eine Nachzahlung.“ 

Zukunft

Politisch scheint das einzige Gesundheitsthema die Bürgerversicherung zu sein. Welche Auswirkungen diese hat, ist leicht vorauszusagen. Es gibt es nur drei Möglichkeiten:

  1. Alle Ärzte können die Privatversicherungen nicht mehr als Schlupfloch verwenden, um Einkommen zu generieren. Ist auch nie ok gewesen. Warum sollten diese Unternehmen Gelder ausgleichen, die an anderen Orten gespart werden. Ärzte geben sich mit dem Gehaltsverlust zufrieden, geben aber weiterhin ihr Bestes bei der Arbeit am Patienten.

  2. Ärzte suchen neue Einkünfte ausserhalb des Gesundheitssystems, aber innerhalb der Medizin: Ich kenne einen Bankberater, der den Irrsinn nicht mehr mitmachen wollte. Er sitzt jetzt im Volgersweg in einem Cafe und gibt Anlagetipps für 100 Euro die halbe Stunde. Dabei ist er weder vom Gewinn der Bank, noch von Provisionen der verkauften Produkte abhängig. Versuchen Sie mal auf andere Weise an eine Bank- oder Versicherungsberatung zu kommen, die wirklich nur Ihr Bestes im Sinn hat.

  3. Sie verlassen das System oder das Land. Es gibt unglaublich viele Unternehmen, die intelligente Köpfe vom Markt wegholen. Unternehmensberatungen, SAP und viele mehr. Das Problem ist ja nicht, dass weniger Mediziner ausgebildet werden als früher. Das Problem besteht darin, dass in den Praxen keine ankommen. Früher haben Ärzte eine Praxis gesucht, die einen großen Einzugsbereich hatte und wo es wenig Mitbewerber gab, genau wie es jedes Subway machen würde. Da wäre eine Praxis im Osten Deutschlands auf dem Dorf eine tolle Sache gewesen. Heute interessiert ein Einzugsgebiet von vielen Patienten, die kein Geld bringen nicht. Die meisten Hausarztpraxen haben nach zwei Monaten im Quartal ihre Budgets voll und schließen für den dritten Monat die Praxis. Nicht, weil sie schon so viel verdient hätten, sondern weil sie den dritten Monat umsonst arbeiten müssten. Deswegen orientieren sich alle Praxen nach der Dichte der Privatpatienten und gehen in die Großstädte. Das klingt so, als seien die Städte voller Ärzte. Geht ja nicht, da durch die Sitzvergabe die Menge an Ärzten am Stand von 1992 festgeschrieben ist. Leider hat sich in den letzten 30 Jahren der Bedarf durch die Überalterung der Gesellschaft erhöht. Daher sind in den „überversorgten“ Gebieten sechs Monate Wartezeit auf den Neurologen, fünf auf den Orthopäden und  1,5 Jahre auf den Psychotherapeuten üblich. Auf dem Land gibt es nur gar keine Ärzte mehr. Dieses Problem wird jetzt durch Terminservicestellen gelöst. Können Sie sich vorstellen, warum Termine, die es nicht gibt, von einer neuen und teuren Behörde mit vielen Mitarbeiter schneller vergeben werden können? Der einzige Gedanke, der das logisch erklären könnte wäre, wenn die Praxen jede Menge freie Termine hätten, aber diese nicht besetzt bekommen würden. Dann würde eine zentrale Verteilung funktionieren.

Wenn ich die Punkte 1-3 ansehe, glaube ich nicht an Punkt eins. Kurz vor der Bundestagswahl wurden in Deutschland erstmals Kampfverbände von Ärzten gegründet. Ärzte dahin zu bekommen ist eine reife Leistung! Die meisten sind wirklich nur an ihrem Job interessiert und politisch überhaupt nicht aktiv.  Die GOÄ als Gebührenordnung der Ärzte ist aus dem Jahr 1982. Damals hat die Stunde Therapie genauso viel gekostet, wie heute. Es hat niemals eine Erhöhung gegeben. Die Ärzte haben nicht gemurrt. Jetzt sollen statt 20 Stunden Sprechstunde 25 verpflichtend sein. Ärzte haben nichts gesagt. Was würden wohl Lehrer sagen, wenn sie 5 Stunden mehr pro Woche arbeiten sollten?

Punkt 2 ist die klassische Zweiklassenmedizin, die wir aus den meisten Ländern mit staatlicher Bürgerversicherung kennen. Deswegen ist die Werbung mit sozialer Gerechtigkeit so ironisch. Fragen Sie mal einen Bekannten aus England, wie es da mit der Bürgerversicherung läuft. Ohne Bargeld gibt es nur Basisbehandlung im Krankenhaus, aber nur selten.

Punkt drei ist jetzt schon Realität. Deutsche Ärzte gehen in die Staaten, Scharenweise in die Schweiz oder in jedes andere Land. Die EU macht es möglich. Nach vor 10 Jahren haben wir dafür Ärzte aus Ungarn, Russland oder ähnlichen Ländern bekommen. Heute wird Deutschland selbst von denen übersprungen. Die gehen auch gleich in die Schweiz. In meinem alten Krankenhaus, dem LKH Hildesheim hatten wir für vier Stationen sechs Ärzte. Heute in privater Hand ist dort für vier Stationen ein Arzt zuständig. Viele befreundete Schwestern erzählen mir, dass sie wochenlang gar keinen Arzt zu Gesicht bekommen würden.

Fazit

Dieser Artikel steht in der Reihe: „Das ewige Leben“. Eine gute ärztliche Versorgung ist einer der wichtigsten Faktoren für ein langes Leben. Wir können an der Situation alle wenig ändern. Aber wir sollten es versuchen. Wenn Sie oder ein Angehöriger in der Notaufnahme vier Stunden warten müssen, während es Ihnen zunehmend schlechter geht. Wenn Sie bei geplatzter Fruchtblase wie bei einer Patientin von mir sechs Stunden vertröstet werden, bis keine Kindszeichen mehr zu sehen sind. Wenn Sie merken, dass Sie vom Aufklärungsgespräch kein Wort verstehen, weil der Arzt nicht Ihre Sprache spricht. Dann wird es mit Sicherheit zu spät sein. Bis dahin dürfen wir alle gerne mit Neid und Häme auf die Wünsche von Ärzten, Schwestern und Sanitätern nach gerechter Bezahlung reagieren. Obwohl ich mich mit der Polizei nicht auskenne, sollte jeder anständig bezahlt werden, der für meinen Schutz oder meine Gesundheit verantwortlich ist. Oder mindestens so gut, wie andere Berufsklassen, die während der Arbeitszeit mit Pflastersteinen beworfen werden.

Mein Tipp: Suchen Sie sich einen Hausarzt, dem Sie vertrauen. Schenken Sie ihm etwas zu Weihnachten, auch wenn der das evtl. nicht annehmen darf. Bemühen Sie sich um eine persönliche Beziehung, genau wie Sie es bei einem guten Handwerker auch tun würden. Honorar kommt von Ehrung, nicht Bezahlung und ist auch günstiger. Schauen Sie sich Parteiprogramme an, wenn Sie wählen gehen. Es gibt viele wichtige Themen: Obergrenze, Familiennachzug, Kooperationsverbot, Diesel, Europäische Intergration, CO2 und vieles mehr, über das heftig gestritten wurde. All diese Themen sind wichtig, haben aber eins gemeinsam: Sie beeinflussen Ihre Lebenserwartung nicht. Wenn Sie tot oder schwer krank sind, interessieren Sie alle diese Themen wenig.

Zusammenfassung

Eine gute ärztliche Versorgung ist einer der wichtigsten Faktoren in unserer Reihe des ewigen Lebens. Sorgen Sie für ein gutes Netzwerk. Werden Sie Stammpatient bei einem Hausarzt, einem Orthopäden, einem Nervenarzt und einem Kardiologen. Wenn Sie ihn nötig haben, wird er für Sie da sein. Sonst merken Sie erst wenn es zu spät ist, dass die guten Ärzte längst keine neuen Patienten mehr aufnehmen.

Natürlich muss ich mir den Vorwurf gefallen lassen, dass ich das ganze nicht objektiv sehe. Stimmt auch. Aber Ärzte haben dieses Problem nicht, die können sich immer selbst behandeln oder haben andere Ärzte im Freundeskreis, die das machen. Ich werde an Euch denken und von der Rentnerinsel Gran Canaria einen Blog mit dem Titel: „Ich habs Euch gesagt!“ verfassen. Trotzdem ist es ein sehr kontroverses Thema. Aber wie sagen wir hier immer: Leicht können die anderen auch.

Kopf hoch, ich bin für Euch da, genau wie für Corinna Busch. Freut mich, dass es Ihnen gefallen hat.

Oder wie der Gründer von Ikea einmal sagte: „Erstaunlich, wenn eine Tür zugeht, geht irgendwo eine andere auf. Oder fällt ab.“

Teilt das wenn Ihr mögt, ich freue mich wie immer auf Eure Rückmeldungen.

2 Kommentare zu “Die richtige Arztwahl – Doc Wassmuth und das ewige Leben Teil 5
  1. Corinna Busch sagt:

    Es hat mir nicht nur gut gefallen, ich bin Fan! Das ist Präventionsarbeit und Unterhaltung auf ganz hohem Niveau. Danke dafür

  2. T. Dieckmann sagt:

    So unterhaltsam wie erschreckend…

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