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Die Angst vor dem Ball – Mentales Golf

17. September 2017 | Tags: Golf, Therapie

Bitte beachten Sie

Ich habe einige außergewöhnliche Behandlungsansätze, die sich nicht in Büchern wiederfinden. Diese sind meist konsequent weitergedachte schulmedizinische Betrachtungsweisen. Um mich und meine Arbeit besser kennenzulernen, stelle ich diese hier dar. Ich diskutiere diese gerne mit Ihnen und stelle etwas pointiert dar, um zum Austausch anzuregen. Dieser Blog ist weder Ausbildung, noch zum Nachahmen gedacht und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Therapie. Aber vielleicht lachen Sie. Und dann vielleicht doch.

Wiedereinmal kann uns der Golfschlag viel über unser Leben lehren. Heute geht es um die Angst vor dem Schlag.

Von 100 Menschen würden nur 30 Prozent in einer kritischen Situation bewusst reagieren. Diese Menschen nimmt man gerne für schwierige Tätigkeiten, z. B. als Astronaut oder Agent. 30 Prozent werden von Panik übermannt und unternehmen sinnlose Handlungen. Sie nehmen beispielsweise in kritischen Verkehrssituationen die Hände vors Gesicht. Der Rest verfällt in eine Schockstarre. Evolutionstechnisch ist das leicht zu begründen, alles sind sinnvolle Überlebensmechanismen. Mäuse überleben, wenn sie in eine Starre verfallen, weil Katzen nur Bewegungen wahrnehmen können. Panik bedeutet, dass massive Energie freigesetzt wird und das Großhirn ausgeschaltet wird. Stellen Sie sich vor, wilde Tiere fallen über ein Dorf her. Einige Menschen bleiben stehen und überlegen, andere sind schon 100 Meter weit weg. Die Gefahr besteht nur, dass es die falschen 100 Meter sind. Dies haben wir bei der Loveparade in Düsseldorf gesehen. Die Menschen sind in Panik in die falsche Richtung gelaufen, alle in einen Tunnel hinein. Wenn Sie wissen wollen, ob Sie zu dieser Sorte gehören, warten Sie auf den nächsten Flug. Plötzlich wird beim Check In ein neuer Schalter aufgemacht. Sie merken den Drang loszustürmen. Oder überlegen Sie erst, ob das nicht nur für Premiumkunden ist und Sie Ihren sicheren Platz in der Schlange verlieren? Emotionen wollen uns überwältigen, weil sie unserem Verstand nicht trauen und meinen, es besser zu wissen.

Jetzt stellen Sie sich vor, Sie haben einen sehr wichtigen Golfschlag vor sich. Wie in früheren Beiträgen beschrieben, müssen Sie sich in der Sekunde, die der Schlag dauert besonders gut konzentrieren. Die Konzentration darf auch nicht auf mehrere Informationen aufgeteilt sein, weil alles unter 100% zu einer Katastrophe führt. Glauben Sie nicht? Lassen Sie mal einen Mitspieler telefonieren, oder jemand ruft von der Nachbarbahn etwas herüber. Wir würden denken, dass der Schlag so automatisiert abläuft, dass sich das Ergebnis nicht ändern sollte, oder? Wenn Sie Autofahren reden Sie ja auch. Sie unterhalten sich zuhause, während der Fernseher läuft. Macht doch keinen Unterschied? Im Gegenteil, seine Konzentration aufzuteilen kostet ungeheuer viel geistige Kraft. Deswegen führt jede noch so kleine Ablenkung zur Katastrophe.

Das Problem besteht darin, dass wir vor dem Ergebnis des Schlages Angst haben. Und diese Angst lähmt unser Denken. Ist ein bisschen so, wie bei einer Spritze beim Arzt. Wir versuchen von diesem Moment möglichst wenig mitzubekommen. Wir schauen weg, denken an etwas anderes. Ein Schutzreflex. Und dieser Reflex sorgt dafür, dass unsere Konzentration bei jedem wichtigen Schlag möglichst gering ist.

Wie ist das bei Situationen, auf die wir uns freuen? Passen Sie bei einem schönen Film auf, oder beim Sex? Sollten Sie. Wir versuchen uns so gut wie möglich zu konzentrieren, um alles mitzubekommen. Wir sind voll im Moment, ganz bei uns und dem Augenblick. Manche haben so viel Angst vor dem Leben, die sind gar nicht mehr im Augenblick. Ich sage immer, die sind so wenig bei sich, die wissen gar nicht mehr, wo sie wohnen.

Versuchen Sie, den Moment des Schlages so bewusst wie möglich wahrzunehmen. Halten Sie gedanklich die Zeit an. Das kann unser Kopf. Fragen Sie mal Unfallopfer, die können Ihnen das genau beschreiben, wie alles plötzlich in Zeitlupe abläuft. Im Alltag machen wir genau das Gegenteil, wir sind gedanklich beim nächsten Termin und beschleunigen die Zeit, um schneller da zu sein. Und wir merken, wie die Zeit immer schneller verrinnt.

Versuchen Sie, sich auf den Schlag zu freuen. Je schwieriger, desto mehr werden Sie hinterher gefeiert. Freuen Sie sich, dass Menschen Sie beobachten, wenn Sie diesen großartigen Schlag machen. Neulich habe ich von einer neuen Erkrankung gehört: Singleflight Assphobia. Die Angst, ein Hole in One zu schlagen, wenn man alleine spielt. Das übelste, was uns auf dem Platz passieren kann, vermute ich. Alleine deswegen spiele ich immer absichtlich sehr schlecht, wenn ich alleine trainiere. Sicher ist sicher.

Also freuen Sie sich, dass Leute Ihnen zuschauen. Die Freude auf den Schlag erhöht massiv Ihr Denkvermögen und damit Ihre Korrekturfähigkeit während des Schlages. Macht also genau das Gegenteil wie ein gut getimetes Handyklingeln.

Jetzt fragen Sie sich, warum dieser Beitrag auch unter der Kategorie „Therapie“ steht, was?

Ich hoffe nicht.

Ein Kommentar zu “Die Angst vor dem Ball – Mentales Golf
  1. Christian Waldschmidt sagt:

    Und noch ein Testkommentar. Diesmal ohne gespeicherte IP Adresse

Was halten Sie davon? Haben Sie Anregungen? Wünschen Sie sich ein Thema.

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