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Zum Golfmeister in drei Zumbastunden – Alles Rogers oder was?

18. Dezember 2017 | Tags: Golf, Therapie

Bitte beachten Sie

Ich habe einige außergewöhnliche Behandlungsansätze, die sich nicht in Büchern wiederfinden. Diese sind meist konsequent weitergedachte schulmedizinische Betrachtungsweisen. Um mich und meine Arbeit besser kennenzulernen, stelle ich diese hier dar. Ich diskutiere diese gerne mit Ihnen und stelle etwas pointiert dar, um zum Austausch anzuregen. Dieser Blog ist weder Ausbildung, noch zum Nachahmen gedacht und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Therapie. Aber vielleicht lachen Sie. Und dann vielleicht doch.

Auf mehrfachen Wunsch heute: Unterüberschriften!

Ich habe in letzter Zeit sträflichst meine Golffreunde vernachlässigt. Verständlich bei dem schlechten Wetter da draussen. Unser Platzwart verriet, dass er seit Juni nicht einmal den Rasensprenger betätigen musste. Und davor höchstens 14 Mal lang. Als es das das letzte Mal gab, hieß der der Clubmeister noch Stegosaurus. Dafür wird es für das nächste Jahr verpflichtend eingeführt, dass sich jedes Clubmitglied gegen Malaria impfen lassen muss. Das ist in Sumpfgebieten so üblich. Hannover wird den Tropen als Urlaubsort locker den Rang ablaufen. In den Tropen regnet es jeden Tag eine halbe Stunde. Darüber können wir hier nur lachen, da arbeiten wir eine Woche Tropenurlaub an einem Vormittag ab. Wochenlang verlangten wir im Club, dass unsere rote Bahn gesperrt würde, weil man knietief im Schlamm versinkt. Man hat erst reagiert, als mehrere Flights verschollen sind. Noch hat sich keiner getraut, nach ihnen zu suchen.

Wie man in Rekordzeit Golf lernt

Immer wieder versuche ich im Rahmen des mentalen Golfunterrichts zu erklären, warum diese Sportart so schwer ist. Das sollte sie eigentlich gar nicht sein. Wer von Euch hat schon mal Zumba gemacht? Stellt Euch vor Freunde, vor uns ein ebenso hübscher, wie schwuler ehemaliger Sambatänzer, hinter uns eine Meute Hausfrauen. Anfangs stellen wir uns völlig blöde an, Drehung rechts, links, Step nach vorne. Schön asynchron. Aber nach spätestens einer Stunde entdeckt selbst der unbegabteste Zumbaner ein Muster in diesem Durcheinander. Man denkt so bei sich: Aha! Nach der Drehung machen 83% der Anwesenden einen Schritt nach links, das kann kein Zufall sein! Und ein paar Tage später sitzt die Choreo, als hätten wir nie etwas anderes gemacht. Und beim Golfschwung? Drehung nach rechts, Arme hoch, Drehung nach links, Arme runter. Mehr kommt da nicht. Das wars. Würde uns das Golf von einem Zumbatrainer beigebracht, könntet Ihr Euch direkt nach dem Einsteigerkurs bei den Open in Augusta anmelden.

Wo ist also das Problem? Der Lernverlauf ist ganz anders. Man bekommt den Schwung vorgemacht und muss ihn dann üben, bis nach 10 Minuten der Golflehrer wieder zu uns kommt. Da bis dahin jeder den Ball treffen möchte, werden zusätzlich zu den 10%, an die wir uns noch erinnern können, 90 % eigene Ideen eingebracht. Schaukeln, Schwingen, Hüpfen, alles dabei. Wenn der Trainer da ist, beschäftigt er sich nur noch damit, diese Schnörkel zu korrigieren. Hat jemals ein Golflehrer etwas Neues eingeübt? Es wird immer nur korrigiert. Und dagegen wehren wir uns! Weil es unsere selbst ausgedachten Bewegungen sind! Und wir mit diesen tollen Schnörkeln die Bälle so gut treffen. Manchmal, aber dieser eine gute Ball ist eine unglaubliche positive Verstärkung eines falschen Schwunges.

Früher hat man die Spieler die ersten zwei Jahre gar nicht auf den Platz gelassen. Hatte aber mehr mit dem Platz, als dem Spieler zu tun. Ich werde immer gefragt, warum da so riesen Löcher auf dem Platz sind, die man mit Sand gefüllt hat. Die gab es früher noch gar nicht, als die Anfänger nicht auf den Platz durften! Da haut der erste Anfänger ein ordentliches Stück aus dem Rasen, der fleißige Greenkeeper füllt das mit Sand auf, weil der Rollrasen erst wieder nächste Woche geliefert wird. Und 50 Anfänger später ist da ein riesiger Sandbunker! Beim Training würde ich sogar noch viel weiter gehen. Ich würde einem Anfänger die ersten 20 Stunden keinen Ball geben. Durch das Bemühen einen Ball zu treffen, werden wir erfolgsorientiert und nicht prozessorientiert. Wir denken uns neue Bewegungen aus, Hauptsache der Ball fliegt, als den Prozess, den richtigen Schwung, zu verinnerlichen.

Die zwei Kräfte Theorie nach Dr. Wassmuth (überholt)

In uns kämpfen zwei Tendenzen. Die eine will unbedingt besser werden. Die andere will das Gelernte beibehalten. Die erste Kraft bringt uns im Leben dazu, zu wachsen und unsere Ziele zu erreichen. Wir werden jeden Tag ein bisschen besser. Die zweite Kraft hütet unsere Wissensschätze. Sie hält unseren Charakter konstant. Stellen Sie sich vor, Sie machen einen Tanzkurs und vergessen durch die neue Bewegungsart, wie Sie sich früher bewegt haben. Normales Gehen wird unmöglich. Sie können nur noch im Tangoschritt über den Bürgersteig. Will kein Mensch. Oder Sie lernen einen Menschen kennen und zwei Tage später hat er einen völlig anderen Charakter. Weil er einen inspirierenden Film gesehen hat. Diese Konstanz eines Charakters ist sehr wichtig. Und dennoch steht sie jedem Lernprozess im Wege. Wenn Ihnen also der beste Golflehrer der Welt einen Tipp gibt, ist es Ihre natürliche Reaktion, diesen zu ignorieren. Und das, obwohl Sie die erste Kraft überhaupt erst dazu gebracht hat, die Trainerstunde zu buchen (und zu bezahlen). Aus diesen beiden Kräften kann eine ungeheure Spannung entstehen, die sehr kräftezehrend ist. Schon sind wir wieder beim Thema Burnout, wie hab ich das nur wieder gemacht? Dies ist eine von vielen Möglichkeiten eines intrapsychischen Konfliktes. Sie glauben, Sie würden sich mit Ihren Mitmenschen streiten? Viel häufiger findet der Streit in uns selbst statt.

Hier kommt Rogers

Wie immer bin ich auf meine selbsterfundene Theorie natürlich sehr stolz. Diese Woche Dienstag habe ich die beste Ehefrau von allen zu ihrer mündlichen Heilpraktikerprüfung begleitet. Die Prüfung selbst war viel schwerer, als ich jemals geglaubt habe und ich kann nur jedem gratulieren, der die besteht. Zum Beispiel meiner Frau! Hat sie bestanden!. Wir waren alle sehr stolz! Weil die Prüfung fast eine Stunde gedauert hat und ich meinem Sohn mein Handy gab, war ich gleichzeitig sehr aufgeregt und furchtbar gelangweilt. So schlimm, dass ich ein Buch über Verhaltenstherapie gelesen habe. Ich habe nicht damit gerechnet, etwas Neues zu lesen, aber was schreibt da ein Herr Rogers? Zitat: „Die Selbstaktualisierung ist das grundlegende Motiv für das Tätigwerden des Menschen, um Autonomie und Selbstständigkeit zu erlangen. Dabei entwickelt er  die zunehmende Bereitschaft, sich für jede Art von Erfahrung zu öffnen und sich und andere so anzunehmen, wie sie sind. Dem Orga­nismus wohnt nämlich eine Tendenz inne, die danach strebt, sich zum Po­sitiven hin zu entwickeln – kongruent zu sein. Diese lebenslange Streben findet aber statt in ei­nem (nicht immer positiven) Span­nungsfeld zwischen Autono­mie und Anpas­sung, Abhängigkeit und Un­abhängigkeit, Integration und Differenzie­rung.“ Weiter heißt es: „Das Selbst ist die Prüfungsinstanz zwischen subjektiver und objektiver Wirklich­keit. Es muß also zwi­schen „Innen“ und „Außen“ vergleichen und , was viel schwie­riger ist, auch unter­scheiden können. Dabei ist es doch immer bestrebt, seine inte­grierte in­nere Struk­tur aufrecht zu erhalten. Dies geht sogar soweit, dass, auch wenn sich eine Person in ihrer Persönlichkeit im­mer weiter von der Realität entfernt, doch versucht wird, die innere Ordnung auf­recht zu erhalten – also einen Zustand innerer Übereinstimmung mit dem Selbstbild beizubehal­ten. Dieses Bestreben des Organismus bezeich­net man als Selbst-Konsi­stenz.“ Und jetzt ganz genau: „Eine Person vertraut unter ungünstigen Umständen ih­ren eigenen neuen Erfahrungen und Wahrnehmungen nicht mehr und läßt diese „außen vor“. Denn die neuen Erfahrungen werden dem Bewußtsein vor­enthalten, damit Selbst-Konzept und bestehende Erfahrungen weiterhin konsistent bleiben – denn eine Inkongruenz wäre wie­derum eine Bedro­hung der Selbst-Konsi­stenz an sich.“ Und für die drei Leser, die bis hier hin noch wach sind, heißt das: „Ich wiederhole den Schlag, selbst wenn er Scheiße ist! Weil es mein Schlag ist. Und die neuen Erfahrungen beim Trainer ignoriere ich einfach, weil der damit alles durcheinander bringt.

Und jetzt die Quizfrage: Haben Sie meine Erklärung besser verstanden oder die von Rogers?

Aber seine klingt besser und vor allem komplizierter und damit höchst wissenschaftlich. Und das ist der Weg zum Ruhm, Freunde! Dieses Mal keine Lorbeeren für mich, nur ein guter zweiter Platz.

Aber denken Sie an Herrn Rogers, wenn Sie in Ihrer nächsten Zumbastunde stehen. Und alle sich nach rechts drehen, nur Sie nach links. Das ist Ihre eigene Choreographie, lassen Sie sich die nicht wegnehmen. Und sollte es einer filmen, werden Sie sogar noch schneller berühmt, als ich.

Oder als Herr Rogers.

 

 

 

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