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Fibromyalgie neu gedacht – „Egal wo ich drücke tut es weh!“ – „Verstehe, Sie haben sich den Finger gebrochen?“ –

27. März 2017 | Tags: Orthomolekulare Medizin

Bitte beachten Sie

Ich habe einige außergewöhnliche Behandlungsansätze, die sich nicht in Büchern wiederfinden. Diese sind meist konsequent weitergedachte schulmedizinische Betrachtungsweisen. Um mich und meine Arbeit besser kennenzulernen, stelle ich diese hier dar. Ich diskutiere diese gerne mit Ihnen und stelle etwas pointiert dar, um zum Austausch anzuregen. Dieser Blog ist weder Ausbildung, noch zum Nachahmen gedacht und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Therapie. Aber vielleicht lachen Sie. Und dann vielleicht doch.

Eine neue Reihe: Alte Krankheiten vor neuen Hypothesen!

Als Arzt ist es sehr schwer für mich, Patienten zu behandeln, bei deren Krankheiten schon bei Wikipedia steht, dass sie nicht zu behandeln sind, eventuell positiv zu beeinflussen. Ist mehr mein Problem als das des Patienten. Aber nicht helfen oder heilen zu können macht ohnmächtig und das fühlt sich blöd an. Aus dieser Motivation nehme ich mir in jedem Urlaub Bücher mit und forsche nach anderen Heilmethoden oder Zusammenhängen. Nicht immer ist der große Wurf dabei.

Eine Erkrankung, die immer häufiger wird und kaum zu beeinflussen ist, nennt sich Fibromyalgie. Hauptsymptome sind chronische Schmerzen in verschiedenen Körperregionen, MüdigkeitKonzentrationsstörungen, Erschöpfung  und Schlafstörungen. Kopfschmerzen, Schwellungsgefühle, Reizdarm, Überempfindlichkeit der Schleimhäute sowie vermehrte Ängstlichkeit und Depressivität. Seltener aber auch immer wieder: Herzrhythmusstörungen bis hin zu Herzanfällen, Schwindelanfälle, HaarausfallAtemnot, Infektanfälligkeit, Impotenz, Tinnitus , SchweißbildungReizbarkeit, Stimmungsschwankungen und vieles mehr. Die Fibromyalgie kann plötzlich ausbrechen, z. B. nach einer grippeähnlichen Erkrankung, oder durch übermäßige Anstrengung über Jahre oder Überreizung des Nervensystems.

Klingt schon mal so, als würde da gar nichts mehr gehen. Die Patienten unternehmen eine Arztodyssee, dass man nur staunen kann. Durchschnittlich wurden Patienten von sechs Ärzten durchuntersucht, bis sie zu mir kommen. Meist auch nur, weil nichts mehr einfällt und dann immer noch die Therapie hilft. Wenn man nichts findet, muss es ja die Psyche sein. Ist oft auch nicht so verkehrt, weil viele psychische Anteile und Ursachen dabei sind. Oft perfektionistische Persönlichkeiten, die übermäßige Anstrengung will hart erarbeitet sein. Nach meiner Hypothese sehen wir mit der Fibromyalgie das Vollsyndrom einer Burnout Erkrankung. Das macht sie so schwer zu behandeln. Grundlage ist eine Persönlichkeit, die zur Überforderung neigt. Dann kommt das auslösende Moment, die Belastung, Arbeit oder Familie ist dabei egal. Die ersten Symptome der Belastung sind meist Schlafstörungen. Diese führen zu geringerer Erholung. Das führt zu Müdigkeit, K0nzentrationsstörungen und Reizbarkeit. Die Patienten fangen jetzt an, sich über die Symptome Gedanken zu machen und zwar zusätzlich zur bereits bestehenden Belastung. Die Abwärtsspirale fängt an, in Fahrt zu kommen. Jetzt wird es schwierig. Der Körper versucht durch Ausschüttung von Stresshormonen die zusätzliche Belastung aufzufangen. Ist so was wie ein eingebautes Doping. Das Hormon heißt Cortisol. Das kennen jetzt einige: Schmieren wir als Creme auf Entzündungen oder Exzeme oder rauchen wir, bei chronischen Atemwegsinfekten (glauben sie, der Vernebler eines Inhalationssprays ist etwas anderes als eine zu groß geratene Pfeife?). Warum machen wir das? Weil wir das Immunsystem des Körpers unterdrücken wollen. Klappt auch. Leider auch, wenn es der Körper alleine ausschüttet. Ohne Immunsystem kommt es zu Infekten. Meist befinden die sich im Darm, da der Stress den Darm schon direkt schädigt (an dieser Stelle muss ich Reklame für „Darm mit Charme“ machen. Finde ich super!). Wer sich das schlecht vorstellen kann: Neben vielen anderen Effekten schütten wir Magensäure bei Stress aus. Haben wir früher Managergeschwür genannt, weil es keinen Manager ohne Magengeschwür gab. Ratten sterben bei Stress nicht an Herzinfarkt, sondern an Magenbluten, der Folge des Geschwürs. Die Säure muss ja irgendwo hin, in den Darm. Die Darmbakterien und die Darmwände finden das nicht so super. Wenn wir jetzt noch gegen die Infekte ein Antibiotikum nehmen: Babkes! Alle Bakterien sind platt und jetzt gibt es ein Wettrennen, ob sich die guten oder die schädlichen am schnellsten vermehren. Da das Klima im Darm eher sauer ist, haben die guten nicht so tolle Chancen. Die schädlichen liegen aber direkt an der Darmwand und wollen die zerstören. Schaffen sie oft auch, es kommt zu kleinen Löchern, dem sogenannten Leaky Gut. Okay, es ist etwas komplizierter, aber die Schwierigkeit in der Medizin besteht darin, etwas einfach auszudrücken. Kompliziert wird es von ganz alleine. Durch diese Löcher kommen Schadstoffe, die wir nicht gebrauchen können. Das Immunsystem versucht diese zu vernichten. Leider funktioniert das Immunsystem immer noch nicht richtig. Wer jemals eine Grippe hatte, weiß wie geschwächt der Körper ist, wenn das Immunsystem ausgelastet ist. Die Schwäche und das ans Bett gefesselte kommt nicht durch die Grippeviren. Wenn es nach denen gehen würde, wären die ganz unauffällig und würden am liebsten unbemerkt ihre Arbeit verrichten. Durch die Aktivierung des Immunsystems verbrauchen wir so viel Kraft. Und das passiert jetzt im Kleinen durch die Entzündung im Darm. Kleiner, aber langfristiger. Jetzt kommt es zur Schwäche und Erschöpfung, die wir ohnehin durch die Überlastung schon gehabt haben. Sowohl das Cortisol, als auch das Immunsystem verbrauchen Rohstoffe. Vitamin C und Zink werden bei jeder Entzündung benötigt, dafür brauchen wir nur einen Abend Werbefernsehen. Daher ist in der Untersuchung sofort zu sehen, dass beides erniedrigt ist. Über einen Quotienten steht Kupfer in Austausch mit Zink, fällt also auch gleich mit ab. Das ist leider nur im Vollblut zu sehen, das kann nicht jedes Labor untersuchen, also nicht böse auf den Hausarzt sein. Weiterhin werden bestimmte Neurotransmitter verbraucht (Serotonin) und Aminosäuren (Arginin). Dachten Sie, das körpereigene Doping sei umsonst? Wo soll die zusätzliche Kraft denn herkommen? Die Aminosäuren werden bei fast allen Stoffwechselprozessen gebraucht und fehlen jetzt. Daher gehen jetzt die unterschiedlichsten Organe gleichzeitig in die Binsen, alles tut weh. Durch fehlende Neurotransmitter können nervliche Übertragungen nicht mehr richtig stattfinden. Im Gehirn heißt das Konzentrationsstörung, Antriebsmangel, Vergeßlichkeit und Depression. Im Körper heißt das Kribbeln, Schmerzen, Muskelschwäche. Wenn die Nervenübertragung nicht mehr richtig funktioniert, auch durch die entgleisten Elektrolyte (sie erinnern sich? Zink, aber auch Magnesium, Kalium usw.) kommt es plötzlich zu Herzrhythmusstörungen. Bei manchen sogar das erste Signal. Glauben Sie mir, dass Herzprobleme nicht zur Beruhigung des Patienten beitragen. Das ist ein Turbo für den Stress. Mit Lachgaszündung. 23 EKGs später sitzen die dann vor mir.

Diese Patienten dann wieder  aufzubauen ist wie mit sechs Äpfeln gleichzeitig zu jonglieren. Und in einen hat jemand reingebissen.

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