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Alkohol

4. August 2019 | Tags: Orthomolekulare Medizin, Therapie

Bitte beachten Sie

Ich habe einige außergewöhnliche Behandlungsansätze, die sich nicht in Büchern wiederfinden. Diese sind meist konsequent weitergedachte schulmedizinische Betrachtungsweisen. Um mich und meine Arbeit besser kennenzulernen, stelle ich diese hier dar. Ich diskutiere diese gerne mit Ihnen und stelle etwas pointiert dar, um zum Austausch anzuregen. Dieser Blog ist weder Ausbildung, noch zum Nachahmen gedacht und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Therapie. Aber vielleicht lachen Sie. Und dann vielleicht doch.

Hallo Freunde,

heute reist der Doc von Glasgow nach Aberdeen in Schottland. Kleiner Stop in St. Andrews muss drin sein. Wunderhübsche Kneipen- oder Pubszene. Überall hängen Schilder, welche Regeln für Alkohol gelten. Trinken im Freien ist ähnlich wie in Amerika verboten. Daher darf man sein Bier nicht mit nach draussen nehmen. Drin darf man aber nicht rauchen. Daher sieht man die Schotten in der Tür stehen, in der einen Hand draussen die Zigarette, in der anderen drin das Bier. Sieht merkwürdig aus. Ein schottisches Sprichwort behauptet, ein Schotte hat kein Problem mit Alkohol, nur ohne. Direkt nach Dienstende füllen sich die Pubs und die Biere fließen. Erst um 22 Uhr wird es weniger. Medizinisch gilt in Schottland wie auch bei uns: Bei einem Konsum von über 40 g Alkohol pro Tag gilt man als Alkoholiker. Das entspricht ca. 2 Gläsern Bier. Für Frauen reicht ein Glas. Damit sind ca. 20% der Schotten nicht Alkoholiker. Und die sind alle noch unter 10 Jahren. Für mich als Arzt ist das ein Problem. Als „normal“ gilt das, was alle tun. Wie kann man gleichzeitig alkoholkrank und völlig normal sein? Daher nimmt niemand diese Grenze wirklich ernst. Man versteckt sich in der Masse und fühlt sich da sicher. Das Problem ist: Alkohol trinkt man in Gesellschaft, Alkoholkrank ist man für sich ganz alleine. Keine Familie, keine Freunde, niemand. Man ist außerhalb der Gesellschaft. Die Gesellschaft mag keine Alkoholkranken. Diese Leute verderben uns den Spaß am Trinken, weil sie uns mit einer Realität konfrontieren, die wir gerne verdrängen. Daher versuchen die Betroffenen das Problem zu verdrängen, bis nichts mehr geht und alles zu spät ist. In etwa so, wie vor 20 Jahren in der Psychotherapie: Man hat seine Probleme verdrängt und ist erst dann zum Therapeuten gegangen, als nichts mehr ging und man oft nicht mehr helfen konnte. Zum Glück kommen die Leute heute immer früher und sind dadurch sehr schnell zu behandeln. Alkoholiker stehen aber immer noch am Rande der Gesellschaft. Selbst wenn sie Hilfe suchen, müssen sie das anonym machen. Daher gehen sie zu den Anonymen Alkoholikern. Nicht zu den „hier darfst Du sein, wer Du bist“ Alkoholikern. 

Selbst wenn sie es schaffen, ist die Rückkehr in die Gesellschaft schwer. Als Nichttrinker hebt man die Verdrängung der Gefährlichkeit des Alkohols auf. Trinker fühlen sich beobachtet, kontrolliert. Das mögen die nicht. Sie versuchen daher schnellstens den Betroffenen wieder auf Spur zu bringen. 

Alkohol als Volksseuche in Schottland und bei uns

Die Grenze von 40 g Alkohol ist eher zu hoch als zu niedrig. Das Absterben von Organen beginnt mit dem ersten Schluck. Denn seit wann ist Gift erst nach einem Liter giftig? Würdet Ihr etwas trinken, was schon nach ein paar Schlücken die Herzkranzgefäße verengt, auch wenn es erst nach vier Glas zum Herzinfarkt führt? Denn das passiert bei Alkohol. Schon mit dem ersten Schluck wird das Gehirn geschädigt. Daher funktioniert es nicht mehr richtig. Schwindel, Sehstörungen, Enthemmung, Lallen sind neurologische Ausfälle wie bei einem Schlaganfall. Manche Auswirkungen sieht man erst wenn es zu spät ist. Daher ist trinken mit 30 witzig. „Trinken bis die Leber schreit“ wird da gegröhlt. Erst schreit die Leber, dann der Mensch. Mit 40 muss man schon sehr verdrängen und mit 50 ist dann meist Schluss mit lustig. Dann gehts an die großen Bs. Beziehung geht flöten, Beruf ist schnell weg. Während 50% Gehirnleistung zum Mitgröhlen reicht, ist es für eine Spitzenkarriere oft zu wenig. Viele Denken bei Gehirn nur an Intelligenzverlust. Aber der Verlust von Antrieb, Stimmung, Durchhaltevermögen und Motivation gehört genauso dazu. Findet alles im Kopf statt. Ein weiteres B ist Beförderung: Früher hat man den Alkoholiker am Mofa erkannt. Heute am Escooter.

Das oft vernachlässigte B heisst Baby. Nicht die typische Impotenz oder Schädigung des Embryos. Kinder brauchen stabile Bezugspersonen, um sich um die Entwicklung ihres Selbstbewusstseins zu kümmern. Selbst bösartige Eltern sind besser, als Eltern, die sich je nach Alkoholisierungsgrad unterschiedlich verhalten. Fast bei jedem Patienten mit Schädigung des Selbstbewusstseins hat mindestens ein Elternteil Alkohol getrunken. Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Chef, der in seinen Stimmungen stark schwankt. Mal gut, mal entlässt er jemanden, weil er schlechte Laune hat. Und jetzt stellen Sie sich vor, der Job ist lebenswichtig für Sie. Irgendwann denkt man nicht mehr über die eigene Arbeit nach, sondern nur noch über die Stimmung des Chefs. Genau das tun Kinder von Eltern, die „normal“ trinken.

Warum müssen wir trinken?

Warum Menschen trinken ist schon oft beschrieben worden. Ich will daher einen neuen Aspekt erwähnen. Für einen gesunden und ausgeglichenen Menschen ist Denken und Fühlen gleichermaßen wichtig. Burnout beginnt, wenn wir ständig denken und damit dieses Gleichgewicht vernachlässigen. Spätestens seit Freud ist das Gefühl und der Instinkt, der Trieb, aber negativ besetzt. Er ist schlecht, unheimlich, unberechenbar und wir wollen generell damit nichts zu tun haben. Der Gesetzgeber folgt dieser Überlegung. Sollten wir aus dem Gefühl etwas tun, werden wir geringer bestraft. So ist jeder Mensch ein potentiell Wahnsinniger. Wir brauchen unser Gefühl aber, um zu regenerieren und Spaß im Leben zu haben. Wie können wir aber das Verhältnis Verstand zu Gefühl verändern, ohne uns mit dem Gefühl zu beschäftigen? Mit Alkohol! Tagsüber denken wir, abends trinken wir, um den Kopf wieder zu beruhigen. Die Universallösung, die unsere Psychotherapie ersetzt: Alkohol! Viele meiner Patienten haben das Fühlen abtrainiert bekommen. Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Heul nicht, sonst geb ich dir einen Grund zum Heulen. Was sollen die tun, wenn diese jetzt merken, dass im emotionalen Bereich des Gehirns etwas nicht in Ordnung ist? Hineinfühlen geht ja nicht. Also Alkohol! Probleme? Alkohol. Traurig? Alkohol. Sorgen um die Zukunft: Alkohol. Für den Umgang mit allen Gefühlen ist Alkohol zuständig, mit den Gefühlen auseinandersetzen können wir uns ja nicht. Diese als wichtige Ressource des Lebens verstehen, Informationsquelle, Hinweisgeber. Nicht nur für die schlechten Gefühle ist es zuständig, auch die guten: Party, Freude und gute Stimmung: Alkohol. Je härter die Menschen sein müssen, desto mehr Alkohol fließt. Buddhisten, die mit sich und ihren Gefühlen im Reinen sind, trinken erstaunlich wenig. 

Zusammenfassung

Alkohol ist die Volksseuche Nummer eins. Niemand beschützt uns davor. Am Ende steht jeder ganz alleine da. Wir haben gelernt, unsere Gefühle zu unterdrücken. Daher stauen diese sich auf und wir brauchen Alkohol, um sie zu regulieren. Beim Muskel ist es Anspannung und Regeneration. Beim Kopf ist es Denken und Alkohol! Wir sollten lernen, ohne Alkohol zu entspannen. In der Schule bekommen wir beigebracht, unseren Kopf zu gebrauchen. Wir sollten auch lernen, den Kopf wieder auszuschalten. Und das ohne Alkohol. Wir müssen lernen, ohne Hilfe unsere Gedanken zu kontrollieren. Sonst kontrollieren sie uns.

Das war es für heute vom Doc. Bis zum nächsten Mal und nicht vergessen:

Ihr kennt Euch am Besten, lasst Euch nichts erzählen.

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