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Burnout Urlaub – Erholung, wie sie ursprünglich gedacht war

7. September 2017 | Tags: Burnout, Therapie

Bitte beachten Sie

Ich habe einige außergewöhnliche Behandlungsansätze, die sich nicht in Büchern wiederfinden. Diese sind meist konsequent weitergedachte schulmedizinische Betrachtungsweisen. Um mich und meine Arbeit besser kennenzulernen, stelle ich diese hier dar. Ich diskutiere diese gerne mit Ihnen und stelle etwas pointiert dar, um zum Austausch anzuregen. Dieser Blog ist weder Ausbildung, noch zum Nachahmen gedacht und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Therapie. Aber vielleicht lachen Sie. Und dann vielleicht doch.

 

An anderer Stelle haben wir schon viel über Urlaub gesprochen. Zusammengefasst besteht das Problem darin, dass die Krankschreibung als Gegenstück zur Arbeit aufgefasst wird. Mit Burnout wird der Hausarzt Sie immer sofort krank schreiben. Er hat ja auch nur 3 Minuten im Durchschnitt für Sie Zeit. Dann verlängert er diese Krankmeldung und wenn Sie nach 4 Wochen nicht gesund sind, nimmt er das persönlich. Niemand mag es, hilflos zu sein. Das Problem besteht darin, dass ursprünglich die Arbeit das Gehirn überlastete. Nach der Krankmeldung ist es die Sorge um die Gesundheit und das googeln nach Symptomen. Daher werden die Symptome oft schlechter, je länger man krank geschrieben ist. Grübeln kann unglaublich viel Kraft kosten. Manchmal verordne ich Patienten das Nicht Denken. Wir üben das regelrecht. Was manchen Menschen in die Wiege gelegt scheint, kann doch so schwer sein.
Wenn also Arbeit schlecht für uns geht und zuhause zu bleiben noch schlechter, was sollen wir tun? Fahren Sie in Urlaub.
Dies ist viel schwerer, als man glaubt.
Regel 1: Behalten Sie meinen Standardspruch im Hinterkopf: Stress ist die Aufnahme oder Verarbeitung von Informationen. Damit fallen schon mal alle Besichtigungsreisen raus. Neue Eindrücke sind für ein gelangweiltes Gehirn großartig, nicht für ein überlastetes. Fahren Sie an einen Ort, den Sie gut kennen. Wo Sie nicht drei Tage brauchen, bis sie den Strand gefunden haben. Dies ist übrigens kein Argument dafür, zuhause zu bleiben.
Regel 2: Lassen Sie den Urlaub planen. Eine gute Vorbereitung kann sehr anstrengend sein. Einer meiner Lieblingspatienten – und ich habe ausschließlich Lieblingspatienten – war fast schon völlig gesund, nach sehr kurzer Zeit. Übrigens auch jemand, der seit 15 Jahren „diese Probleme“ hat und dem „niemand“ helfen kann und der schon „bei jedem“ war. Jetzt plant er eine USA Reise mit der AIDA, will danach noch die Ostküste hoch, Verwandte besuchen, Auto buchen und was nicht alles dazu gehört. Jeden Tag fallen ihm neue Probleme ein, die er mit immer größerem Kraftaufwand lösen muss, bis es ihm wieder schlechter geht. Mein Tipp: Reisebüro Daniel in der Lavestrasse. Großartig.
Regel 3: Fahren Sie nicht mit den Personen des Alltags. Falls Sie nicht alleine fahren wollen, reaktivieren Sie alte Freunde. Stellen Sie sich vor, Sie seien ein Ball, der in einer Kiste mit vielen anderen Bällen liegt. Manche sind voll, manche platt. Als Burnout Patient neigt man eher dazu, einer der platten zu sein. Alle drücken sich gegenseitig ein. Wie wollen Sie herausfinden, welche Form Sie haben, solange Sie in der Kiste liegen? Nehmen Sie daher weder Ihren Chef noch Angehörige mit in den Urlaub. Jeder weiss, dass wir täglich Kompromisse machen und uns daher anders verhalten als üblich. Manche haben aber schon vergessen, was für sie üblich, also charaktertypisch ist. Nutzen Sie daher den Urlaub nicht, um andere kennen zu lernen. Lernen Sie sich mal wieder selbst kennen. Wie groß sind Sie, wenn Sie entfaltet sind? Die meisten meiner Patienten haben sich schon lange nicht mehr gesehen. Die wissen gar nicht mehr, dass sie lustig oder abenteuerlich, kreativ oder sportlich waren. Weil keine Zeit bestand, das auszuleben oder es der Partner nicht mochte. Weil es peinlich war oder man diese Seite verbergen wollte.
 Regel 4: Nehmen Sie keine Arbeitsmaterialien mit. Emails werden nicht gecheckt, es werden keine beruflichen Telefonate geführt und wenn wir schon dabei sind, auch keine privaten. Wenn Sie sich von Ihrem Partner jeden Abend erzählen lassen, wie die Küche abgebrannt ist oder dass Günther oder Nadine („wer ist Günther?“) sich wundert, warum Sie alleine fahren und dass er oder sie gehört hat, dass man bestimmt nur alleine unterwegs ist, um Sex zu haben und er bestimmt niemanden, schon gar keine hübschen Frauen/ Männer alleine zuhause lassen würde, weil er oder sie ein viel besserer Partner ist, dann ist das nicht hilfreich. Dies kann die gesamte Erholung für mehrere Tage kosten. Genau diese Medien sind ein Grund, warum Urlaub vor 20 Jahren noch viel erholsamer war als heute. Schreiben Sie eine Karte mit einem schönen Motiv, das muss reichen. Hat es immer.
Meinen jährlichen Burnout Urlaub verbringe ich im Robinson Club Camyuva, weil die Chance, sich dort über irgendetwas ärgern zu müssen, sehr gering ist. Der Club ist auch nicht für Kinder, die morgens um 8 „Theo, mach mir ein Bananenbrot!“ singen und glauben Sie nicht, dass ich mir das ausgedacht habe. Jetzt passiert dort etwas sehr spannendes, worauf nur echte Star Wars Fans vorbereitet sind. Luke muss sich auf Dantoine der dunklen Seite stellen und begegnet Vader in einem dunklen Baum. Yoda sagt, in diesem Baum ist nur, was Luke mitgebracht hat. In diesem Club ist es genauso. Härter als in jedem Selbsterfahrungskurs werden sie mit sich selbst konfrontiert und allem, was sie mitbringen. Ihren Ängsten, Wünschen, Sehnsüchten und Fehlern. Sind Sie abgearbeitet und merken nicht, dass Sie gar nicht mehr kontaktfähig sind? Sie glauben, Sie sind anschlussfähig, sportlich, ausgeruht sind und sich noch ausreichend konzentrieren können? All das wird Ihnen in aller Klarheit vor Augen gehalten. Zum Beispiel, wenn ein Kellner fragt: „Ich sehe, sie haben ein leeres Glas. Noch eins?“ Und ich antworte: „Was soll ich mit zwei leeren Gläsern?“ Nach drei Tagen merken Sie, dass Sie einen Plan abarbeiten, genau wie zuhause: 8 Uhr Frühstück, dann schnell Liege sichern, 30 Minuten Joggen und dann der Kurs beim Personal Trainer bevor Volleyball anfängt. Sie merken, dass Sie nichts wahrnehmen, überhaupt keinen Kontakt zu Ihren Gefühlen haben. Gar nicht da sind. Und andere bestätigen Ihnen das. Was es nicht besser macht. Jetzt kommt eine Phase, in der Sie durch Sport und gesunde Ernährung, Schlaf und Ruhe Energie tanken. Ruhiger werden. Sie reden mit einem fremden Menschen und merken, dass Sie nicht an andere Dinge nebenbei denken. Sich auf diesen Kontakt konzentrieren und fokussiert sind. Jetzt fällt Ihnen auf, dass es neben den Worten noch eine emotionale Ebene gibt, auf der geredet wird. Als hätte jemand hinter einem Schauspieler ein Bühnenbild aufgebaut, das die Szene erläutert. Der andere merkt das und fühlt sich angesprochen, persönlich berührt und es entsteht ein Kontakt. Sie fragen sich, warum nicht in Ihrer Heimatstadt auch so nette Leute herumlaufen? Die Wahrheit ist, das tun sie. Genau die gleichen, Sie sind nur nicht der gleiche. In der dritten Phase haben Sie so viel Energie, dass sie sogar welche abgeben können. Sie inspirieren andere, merken Charaktereigenschaften, die im Alltag untergegangen sind und werden plötzlich kreativ. Warum das? Kreativität ist ein Zuviel an Energie. Energie, die nicht im Alltag verbraucht wird und daher für Dinge verwendet werden kann, die es noch gar nicht gibt. Ihnen fällt das neue Konzept ein, an dem Sie so lange gegrübelt haben. Und das, obwohl Sie nicht darüber nachgedacht haben. Wenn Sie darüber nachgedacht hätten, hätten Sie keine Energie übrig gehabt und es wäre Ihnen nicht eingefallen.
Probieren Sie es, machen Sie Urlaub. Möglichst vorbeugend. Nichts ist entspannender, als ein Urlaub, den man nicht braucht. Wenn Sie mich sehen, sprechen Sie mich an, ich bin da nicht so. Jeder hat drei Fragen frei. Fast wie im Märchen.

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