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Curvy ist das neue schlank – Figur, Gewicht und Schönheit

12. Juni 2017 | Tags: Therapie

Bitte beachten Sie

Ich habe einige außergewöhnliche Behandlungsansätze, die sich nicht in Büchern wiederfinden. Diese sind meist konsequent weitergedachte schulmedizinische Betrachtungsweisen. Um mich und meine Arbeit besser kennenzulernen, stelle ich diese hier dar. Ich diskutiere diese gerne mit Ihnen und stelle etwas pointiert dar, um zum Austausch anzuregen. Dieser Blog ist weder Ausbildung, noch zum Nachahmen gedacht und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Therapie. Aber vielleicht lachen Sie. Und dann vielleicht doch.

 

Protagonistin: 30 Jahre, hübsch, intelligent, erfolgreich, unglücklich.

„Es ist wie ein Teufelskreis, ich bin so unglücklich, weil ich keinen Mann bekomme. Abends sitze ich zuhause und esse aus Frust. Damit werde ich noch dicker, als ich ohnehin schon bin. Ich traue mich schon gar nicht mehr vor die Tür. Und dabei habe ich klare Vorstellungen, wie mein Leben weitergehen soll. Familie, Kinder und so. Und dann werde ich immer dicker. Ich hasse mich, wissen sie? Früher habe ich super viel Sport gemacht, geht aber mit dem Job nicht mehr so. Ich quäle mich ins Fitnessstudio. Und dann schauen mich die Leute so an. Ich weiß gleich, was die denken. Die hat´s auch nötig, hier zu sein. Meist werde ich sogar angesprochen. Ich hasse das. Meist sagen die Typen, dass ich irgendwas falsch mache. Hebe die Gewichte nicht richtig, oder so. Ich schäme mich dann total. Und dann wollen sie mir das gleich noch zeigen, wie das geht. Als würde ich es einfach so nicht verstehen. Dick und dumm gleichzeitig, denken die sich, es ist so peinlich. Ich gehe deshalb meist morgens hin, wenn noch niemand da ist.“
„Warum helfen die Männer ihnen, immerhin werden die nicht dafür bezahlt?“
„Das frage ich mich auch jeden Tag. Was würde ich dafür geben, wenn die mich in Ruhe lassen würden.“
„Ich meine, haben sie schon einmal darüber nachgedacht, ob die nicht einen anderen Grund haben könnten?“
„Ich sage doch, ich frage mich das ständig. Ich gehe doch auch nicht zu denen hin und korrigiere deren Übungen.“
„Vielleicht ist das nur ein Vorwand, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen? Sie sagen, sie wollen einen Mann kennen lernen und hier sind doch welche, die sie ansprechen.“
„Bevor ich nicht abgenommen habe, macht das gar keinen Sinn. So wird das nie etwas. Wer sollte sich denn für mich interessieren? Aber das klappt ja nicht, wenn ich mich wegen diesen Typen nicht ins Studio traue.“

Ich weiß nicht, wie dieses Gespräch für Außenstehende wirkt. Wahrscheinlich merkwürdig, weil offensichtlich die Realität, dass jemand mit der Frau Kontakt aufnehmen will, völlig ignoriert wird. Ich habe mich schon daran gewöhnt, weil ich es jede Woche mehrfach höre. Aber worum geht es? Offensichtlich setzt die Patientin schlank mit schön gleich. Und schön ist gleichbedeutend mit selbstbewusst. Das wiederum ist die Grundvoraussetzung für soziale Kontakte. Sie will eine Beziehung mit einem Mann. Dazu muss sie erst abnehmen, dadurch selbstbewusst werden, dann kann sie mit Männern kommunizieren und eine Beziehung finden.  Eine Abkürzung ist nicht denkbar, sie kann sich nicht vorstellen, dass sie jemand attraktiv findet, nur weil sie sich selbst nicht schön findet. Und die Realität wird ignoriert, noch nicht einmal hinterfragt, weil sie undenkbar ist. Aus Erfahrung kann ich Ihnen sagen, dass die Kontaktaufnahme mit einer Person, mit der man nicht bekannt sein möchte, keine gute Idee ist. Falls Sie im Fitnessstudio jemanden ansprechen, müssen sie davon ausgehen, dass sie diesen Kontakt die nächsten Jahre aufrechterhalten müssen. Jedes Mal müssen Sie die jetzt bekannte Person grüßen, werden von Ihr angesprochen, in ein Gespräch verwickelt. Würde man das bei jemandem riskieren, dem man lieber nicht zu nahe kommen würde? Wahrscheinlich nicht. Wenn Kontakt aufgenommen wird, dann nur, weil Kontakt gesucht wird. Ich war mal im Urlaub und habe am ersten Tag eine Gruppe Nerds kennengelernt. Saßen am gleichen Tisch, man kam ins Gespräch. Nicht unsympathisch, vielleicht etwas weltfremd, ganz sicher schlecht gekleidet. Crocs zum Gala Dinner sind nur dann ein Ausdruck des persönlichen Geschmacks, wenn man keinen hat. Egal wo ich in den nächsten Tagen war, mit wem ich mich unterhalten habe. Einer von denen hat mich immer gefunden und dann waren auch alle anderen da. Wie Untergehende im sozialen Strudel, die sich an mir als Schwimmreifen festhielten. Beim Abendessen hatte ich einen spannenden Gesprächspartner gefunden, Andreas aus Hamburg, machte mit 4 Mitarbeiterinnen eine Incentive Reise. Erst am letzten Abend habe ich herausgefunden, dass Andreas ein Zuhälter war und die vier Mitarbeiterinnen, naja, Mitarbeiterinnen halt. Super spannend! Wir unterhielten uns und einer von den Nerds kam und rief: „Hier ist er!“ Und schon kamen alle anderen auch. Wie beim SAP Teammeeting. Keiner sagte etwas, alle warteten darauf, passiv an der Unterhaltung teilzunehmen. Will man das wirklich? In seinem eigenen Fitnessstudio, wo man länger als eine Woche Urlaub verbringt. Wenn jemand mit Ihnen Kontakt aufnimmt, dann nur, weil er sie attraktiv findet. Oder sie brennen. Leider nützen Argumente wie diese oder ähnliche nichts. Feedback wird nur geglaubt, wenn es zur vorher vorhandenen Meinung passt. Wenn es nicht passt, wird es als widersprüchlich verworfen. Weil die Patientin ständig Männer kennen lernte, auch im Job, hätte sie sich den Umweg über das Abnehmen sparen können. Sie hätte sich gleich verlieben können und dann von Luft und Liebe gelebt. Beides hat nicht allzu viele Kalorien. Diese Regel, dick = häßlich kommt natürlich irgendwo her. Man muss das also irgendwo mal gehört haben. Immerhin hat es Zeiten in der Weltgeschichte gegeben, in denen diese Regel genau anders herum lautete, Rubens lässt grüßen. Meist sind es Beeinflussungen der Eltern oder von Freunden. Manche Frauen müssen als Kind nur einmal gehört haben: „Iß nicht so viel, so bekommst du nie einen Mann!“, um diese Lektion gelernt zu haben. Heute brauchen die Mädchen das nicht mehr, eine Staffel GNTM reicht da völlig aus. Da dünn = schön bedeutet und viele Frauen schön sein wollen, muss man selbstverständlich so dünn sein wie möglich. Da uns aber niemand sagt, wann Schluss mit dieser Gleichung ist und ab wann dünner nicht mehr schöner bedeutet, entwickelt sich völlig natürlich eine Essstörung. Den meisten Frauen ist es hierbei nicht möglich, sich selbst hinsichtlich ihres Aussehens einzuschätzen. Und deswegen gibt ihnen ein leicht vorstellbares „dünn“ eine feste Größe vor, an der man sich festhalten kann. Und verzweifeln.

Deswegen ist es für mich wichtig, klare Regeln zu definieren, an denen eine Frau sich orientieren kann, wenn sie ihre Figur optimieren möchte. Hierbei gibt es nur zwei Schwierigkeiten. Erstens sind diese Regeln schwer zu definieren. Zweitens noch schwerer zu glauben, selbst wenn sie völlig nachvollziehbar sind. Weil alle Menschen nur das glauben, was zu ihrem inneren Weltbild passt. Das ist auch der Punkt, der Therapie so schwer macht. Etwas Neues zu glauben und zu leben. Selbst mit 70 halten sich die meisten Menschen an die Überzeugungen, die sie mit vier von ihrer Mutter gehört haben. Das ist auch der Grund, warum Menschen mit schlechtem Selbstwertgefühl kaum davon weg kommen. Hören sie ein Kompliment, passt es nicht zu ihrem Selbstwertbild und sie glauben, man will sie veralbern. Damit verschlechtert ein Kompliment ihre Stimmung. Hören sie eine Beleidigung, trifft sie dies ins Mark, weil sie davon überzeugt sind, dass es stimmt. Sie ahnen es schon, wieder geht die Stimmung den Bach runter. Es ist also sehr schwer für diese Menschen, glücklich zu sein.

Das wichtigste und erste, was wir brauchen, ist Veränderungsbereitschaft. Alles in Frage zu stellen, was wir wissen und offen für Neues zu sein. Dies ist nicht umsonst eine Grundbedingung für Therapie und der häufigste Grund, warum sie scheitert. Stellen Sie sich vor, Sie sagen Ihrem Golftrainer, dass das alles Quatsch ist. Ihr Schwung ist viel besser als seiner. Oder Ihrem Klavierlehrer, dass Sie nicht glauben, dass seine Korrekturen richtig sind. Würde niemand machen? Mir passiert das jeden Tag. Viele Verstecken ihre Meinung nur, weil sie ahnen, dass sie sich schlecht auf meine Stimmung auswirkt. Oder schlecht auf die Therapie. Dabei ist das Verschweigen ist noch schlimmer als das nicht glauben. Damit weiß ich noch nicht einmal, wo das Problem liegt. Wenn ich Unterricht habe, gehe ich zu Lehrern, denen ich vertraue. Achten Sie daher immer gut auf Ihr Bauchgefühl. Ohne Vertrauen kann die Therapie nicht helfen. Selbstverständlich? Viele trauen sich nicht, nach der ersten Stunde die Therapie abzubrechen, glauben, das das noch wird, sich Vertrauen langsam entwickeln muss. Das stimmt zwar, aber bis dahin sind die Stunden zwar nicht umsonst, aber doch vergebens.

Ich versuche mit den Frauen eine realistische Betrachtung des leider höchst subjektiven Themas zu erarbeiten. Was ist schön? Gewicht kann man an der Waage ablesen, deswegen ist es so verführerisch. Leider hat die Waage keinen Geschmack. In meiner Fitnessphase habe ich von 75 kg auf 85 kg zugenommen. Heute wiege ich 80. Gut 81. Sagen wir 80,5. Wann sah ich am besten aus? Die Waage ist sich da sicher, es muss 75 kg gewesen sein. Glauben Sie ihr nicht. Am wichtigsten hierbei ist die Frage, von welcher Art von Schönheit wir sprechen. Die, die uns in eine Beziehung bringt oder die, mit der wir unser selbst definiertes Idealbild erreichen? Diese Bilder ändern sich ständig, in den letzten 100 Jahren kann man das sehr schön beobachten. Im Moment ist das Ideal, schlank zu sein. Die Modeindustrie ist da nicht Schuld dran. Die versuchen nur, Ihre Klamotten an die Frau zu bekommen. Weil sehr dick nicht schön ist, ist es nur logisch, dass das Gegenteil zutreffen muss. Weil Frauen tendentiell also dünn als schön erachten, greift die Mode das auf und präsentiert dünne Models. Aufgrund des Halo-Effektes färbt die Schönheit des Models auf die Kleidung ab. Deswegen glauben wir auch, dass schöne Menschen klug sind und teure Weine gut schmecken. Deswegen sieht das gleiche Stück manchmal zuhause nicht ganz genauso aus, wie im Katalog. Jetzt fühlen sich Frauen aber in ihrer Tendenz bestätigt. Yves würde keine dünnen Frauen präsentieren, wenn diese nicht schön wären, oder? Ein Teufelskreis der gegenseitigen Verstärkung. Das Problem ist nur, dass Männer diese Models nicht schön finden. Und für die wenigen Frauen da draussen, die nicht nur schön, sondern auch attraktiv auf Männer wirken wollen, macht es das kompliziert. Für alle Frauen, die mir hier heftig widersprechen: Googlen Sie bitte, wie viele Models bereits im Playboy abgelichtet wurden. Ich verrate es Ihnen: Die letzte war Cindy Crawford. Wer jetzt fragt wer das ist, bestätigt meinen Punkt nur. Lange her. Der Playboy verkauft sich an Männer, die attraktive Frauen sehen wollen. Die untersuchen sehr genau, was für Männer attraktiv ist, weil sie sonst sehr schnell pleite gehen würden. Und dort sehen wir das gleiche Frauenbild wie immer. Weil es genetisch bedingt ist. Und die Gene ändern sich nicht so schnell. Was haben wir da: Blonde Frauen, die haben mehr Östrogen, sind tendentiell fruchtbarer. Prompt sehen wir mehr Blonde im Playboy. Bei der Oberweite geht es um die Ernährung des Nachwuchses. Bei Models mit Size Zero verhungern die Kinder schon in der ersten Woche. Denken die Höhlenmenschen. Wir wissen es natürlich besser, die haben alle viel Geld für Nannys, da verhungert kaum noch einer. Bauch ist ein sehr intimes Thema. Interessiert Männer erstaunlicherweise kaum. Ehrlich. Was Männer interessiert ist, ob der Bauch eine Kontur zu oben und unten bietet. Wenn nicht, ist schlecht. Rollen, Polster, alles egal. Wer nachrechnen möchte: Die Taille sollte bei 70% des Hüftumfanges liegen. Das wäre bei 90-60-90 genau der Fall, oder auch bei 100-70-100. Und beide 100en bekommt man nicht, mit 0% Fettanteil. Hintergrund ist auch hier die Vermehrung. Früher sind Frauen mit schmalen Hüften im Kindbett gestorben, weil das Kind nicht raus kam. Wenn so etwas häufiger passiert, spricht es sich sogar unter Männern herum. „He Grompf, nimm die nicht, die macht es nicht lange!“ Beine sollten lang und muskulös sein. Da geht es um Laufen und in Sicherheit bringen. Das wissen die Frauen aber schon, deswegen tragen die Highheels. Das macht die Beine nicht nur länger, sondern betont die Muskulatur, weil die Beinmuskeln ständig angespannt werden müssen. Eine Frau im Rock und auf Highheels auf einer Party ist ungefähr so, als würde ich Muskelshirt tragen und beide Bizepse anspannen. Vielleicht ist es doch nicht das Gleiche. Wenn es in diesem Artikel nicht nur um Gewicht gehen würde, könnte ich noch über Haare, Füße, Haut und vieles mehr sprechen.

Wenn eine Frau den Sinn erkannt hat, dies auch im Alltag immer wieder bestätigt sieht, könnte sie jetzt die Äußerungen ihrer Mutter als manipulativ enttarnen. Nicht alle Mütter meinen es hier böse, sie wollen meistens das Beste für die Töchter. Aber auch sie haben als Frau ein bestimmtes Schönheitsideal, wollen der Tochter nur im Leben helfen, oder hassen es auch, wenn die Männer auf der Strasse den Töchtern hinterher sehen und nicht ihnen selbst. Dieses Wissen entlastet die Frauen. Sie quälen sich nicht mehr, sind glücklicher, müssen nicht mehr Frustessen machen und haben eine viel bessere Ausstrahlung. Damit ein besseres Selbstwertbild und es klappt mit den Männern.

Leider funktioniert das alles hier nicht. Weil alles, was ich gesagt habe, der inneren Überzeugung der Frauen widerspricht. Und damit wird es einfach ignoriert.

Im Moment haben wir diese Curvy Tendenz. Wahrscheinlich nur eine kurze Modeerscheinung, vielleicht auch ein Schuss political correctness. Aber sicherlich die richtige Richtung. Leider glaube ich oft, dass es hier nicht um Kurven geht, sondern um Models für Übergrößen und die hat es immer schon gegeben. Curvy ist dabei nur ein Euphemismus. Fragen Sie einige gute Freunde, wie sie Curvy Models im Gegensatz zu Magermodels finden.

Und fangen Sie an zu glauben.

 

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