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Sport und Schlaf – Gegensätze ziehen sich an

21. Mai 2017 | Tags: Orthomolekulare Medizin, Therapie

Bitte beachten Sie

Ich habe einige außergewöhnliche Behandlungsansätze, die sich nicht in Büchern wiederfinden. Diese sind meist konsequent weitergedachte schulmedizinische Betrachtungsweisen. Um mich und meine Arbeit besser kennenzulernen, stelle ich diese hier dar. Ich diskutiere diese gerne mit Ihnen und stelle etwas pointiert dar, um zum Austausch anzuregen. Dieser Blog ist weder Ausbildung, noch zum Nachahmen gedacht und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Therapie. Aber vielleicht lachen Sie. Und dann vielleicht doch.

Das gesamte Medizinstudium über wollte ich Orthopäde werden. Damals war das der Weg, über den man zur Sportmedizin kam. Meine große Möglichkeit, meinen Beruf und meine Berufung zu verbinden. Daher habe ich in der orthopädischen Klinik in Kassel Jahre verbracht. Sportler behandeln, am Spielfeldrand stehen und bei der Arbeit Fussball sehen. Besser geht´s nicht. Dann kam der Tag, als ich mit meinem besten Freund eine Doktorarbeit gesucht habe. Er fand eine Arbeit, bei der wir beide zusammen arbeiten konnten. Eine orthopädische Arbeit mit dem Titel: „Die Auswirkungen eines acht wöchigen Fitnessprogramms auf die Schlafqualität.“ Das Problem bestand darin, dass das dafür nötige Schlaflabor in der Psychiatrie war. Es war also eine Zusammenarbeit mit einer Disziplin, für die ich relativ wenig übrig hatte. Hat mich aber keine Sekunde beunruhigt. Glaubt mir, wer durch so ein Studium durch möchte, lässt sich von relativ wenig aufhalten. Eine psychiatrische Klinik voller Verrückter sollte mich da nicht aufhalten. Nur vor den Patienten hatte ich etwas Respekt. Die waren mir unheimlich. Auf Seiten des Personals habe ich alle Persönlichkeitsstörungen kennengelernt: Selbstverliebte Narzisten, größenwahnsinnige Kleinwüchsige und Normalos, die sich vor den anderen in Sicherheit bringen mussten. Aus dieser Göttinger Keimzelle erwuchsen mit mir so einige namhafte Persönlichkeiten, die man heute gerne bei Stern TV auf der Bank sitzen sieht. Immer wenn die jemanden suchen, der uns die Welt der Verrückten erklärt. Übrigens bekomme ich jede Woche mindestens eine Fernsehanfrage dieser Art. Das macht man ein bis zwei Mal mit und dann reicht es einem manchmal. Bis auf Borwin, dem scheint das immer noch Spaß zu machen.

Einige Woche habe ich damit verbracht, den Schlaf anderer Leute zu untersuchen. Viel langweiliger geht es übrigens nicht mehr. Ich verkabele die Leute, die schlafen ein. Ich nicht. Meistens. Seltene Höhepunkte bestehen darin, wenn sie aus dem Bett fallen, oder, was häufiger passierte, sich in meinen Kabeln verhedderten. Ein einziges Mal hatten wir eine sehr übergewichtige Frau, die schlafwandelte. Mitten in der Nacht schreckte sie hoch und öffnete das Fenster. Unnötig zu sagen, dass Sören und ich auch hochschreckten, sehr sogar. Wir waren beide ausgesprochen geistesgegenwärtig in dieser schwierigen Situation. Sören, weil er die Frau festhielt. Wahrscheinlich wollte er doch nicht ausprobieren, ob Schlafwandlern wirklich nichts passiert. Und ich, weil ich die Überwachungskamera mit einer neuen Videokassette einschaltete. Nur dieser Geistesgegenwart ist es zu verdanken, dass Medizinstudenten seit 20 Jahren sehen können, wie Sören laut rufend auf die Patientin zustürmt und sie festhält. Diese einen Riesenschreck bekommt und ohnmächtig wird. Man soll wohl tatsächlich Schlafwandler nicht erschrecken. Sie kippt nach hinten, Sören will sie auffangen und beide gehen zu Boden. Sören fest zwischen der Patientin und der Wand eingekeilt. Er hätte sich wohl befreien können, wenn eine Hand nicht in den Kabeln gehangen hätte. Alle 20 Sekunden sieht man dann, wie Sörens freie Hand nach oben kommt und verzweifelt in die Kamera winkt. Es ist sehr schwierig mit einer Hand Zeichensprache zu machen, aber zugegeben, Sören hat sich wirklich redlich bemüht. Wir brauchten drei Leute, um ihn zu befreien.

Leider entschied sich unser betreuender Professor, dass die Arbeit nur für einen von uns reicht. Und jetzt sind zwei blöde Sachen passiert. Zum einen hat mich dieser Professor davon zu überzeugen versucht, dass ich für die Psychiatrie genau der richtige bin. Grade weil ich versuche, nicht Teil des Wahnsinns zu sein, sondern zur großen Abwechslung recht rational an das Thema Psyche herangehe. Er versprach mir eine großartige Zukunft, eine spätere Assistentenstelle und der Weg zum Oberarzt sei mir geebnet, wenn ich ihm nur vertrauen würde. Die zweite blöde Sache war, dass ich ihm geglaubt habe.

Ich habe nicht nur eine Doktorarbeit gemacht, sondern auch noch eine weitere noch aufwändigere Arbeit für den Professor, zeitgleich zu meinem dritten Staatsexamen. Die Assistentenstelle würde ich aber nur bekommen, wenn ich einem Studenten bei dessen Arbeit helfen würde, der nicht besonders gut damit zurecht kam. Ich schrieb das meiste davon selbst und nun würde nichts mehr meiner Karriere im Wege stehen. Außer meiner Freundin. Sie war groß, sehr hübsch und hatte sich an diesem Morgen die sonst dunklen, taillenlangen Haare blondiert. War ein Hingucker. Sie wollte mich eigentlich nur abholen, lief dabei meinem Professor über den Weg, der sehr begeistert von ihr war und ihr in seinem Überschwang meine Stelle gab. Wer hier zwischen den Zeilen lesen kann ahnt, dass dies nicht nur das Ende meiner Unikarriere war, sondern auch die meiner Beziehung. Auch sie musste einiges an Arbeit für die Stelle leisten. Aber, um die erhitzten Gemüter zu beruhigen: Entfernt hatte es auch etwas mit Medizin zu tun.

Heute und nach vielen Umwegen betreue ich Sportler. Unter anderem. Ich würde gerne viele Golfer betreuen, leider haben wir in Hannover hauptsächlich Fussballspieler. Und ich bringe jeden meiner Patienten zum Sport. Wollen die nicht, müssen die aber trotzdem. Ich erkläre ihnen, dass wir zum Muskelwachstum zwei Dinge brauchen: Der Muskel muss angeregt werden. Und er braucht Nahrung zum Wachsen. Aminosäuren. Das weiße Pulver, das hinter dem Tresen im Fitnessstudio steht. Das Gehirn ist da genau gleich. Es braucht die richtige Nahrung und muss angeregt werden: Körperlich. Wenn wir uns bewegen, nimmt das Gehirn mehr Nahrungsbausteine aus dem Blut auf. Das sehe ich täglich in den Blutkontrollen. Wer hat sich wie regelmäßig bewegt? Wir rennen dem Burnout davon, könnte man sagen. Aber es gibt noch weitere gute Argumente, um in Bewegung zu bleiben: Die Verknüpfungen zwischen den Gehirnzellen nehmen zu, wir bekommen weniger Osteoporose, die Gelenke verschleißen nicht so schnell, wir bekommen mehr Muskeln, damit verbrauchen wir mehr Energie und die Fettdepots verschwinden. Da Fett Hormone produzieren kann, ist das sehr wichtig. Bei Leistungssportlern messe ich die Anzahl der funktionierenden Mitochondrien in der Zelle. Dies sind die Kraftwerke, in denen die Energie entsteht. 100 % unserer Mitochondrien sollten aktiv sein, sind es nur 90 oder gar 80 % fehlt jeder einzelnen Zelle Energie. Diese Zellen werden durch Sport und gute Ernährung wieder fit. Nur am Rande: Sauna und Kältereize wie kalte Duschen beleben diese Mitochondrien auch wieder. Und dass das gesund ist wissen wir alle. Wir wussten bisher nur noch nicht, warum. Für alle Männer unter uns kann ich sagen, dass durch die Bewegung Testosteron produziert wird. Super gegen das Altern. Kraft wie mit 30, wer will das nicht?

So kann ich also sagen, dass ich irgendwie doch beim Sport gelandet bin. Nur nicht über die Orthopädie. Damit lassen sich meine Klienten in zwei Gruppen unterteilen: Diejenigen, die Sport machen und diejenigen, die Sport machen müssen.

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