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„Steck es wieder rein, ich habe es mir anders überlegt!“ – Die Schwangerschaftsdepression

15. August 2017 | Tags: Orthomolekulare Medizin, Therapie

Bitte beachten Sie

Ich habe einige außergewöhnliche Behandlungsansätze, die sich nicht in Büchern wiederfinden. Diese sind meist konsequent weitergedachte schulmedizinische Betrachtungsweisen. Um mich und meine Arbeit besser kennenzulernen, stelle ich diese hier dar. Ich diskutiere diese gerne mit Ihnen und stelle etwas pointiert dar, um zum Austausch anzuregen. Dieser Blog ist weder Ausbildung, noch zum Nachahmen gedacht und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Therapie. Aber vielleicht lachen Sie. Und dann vielleicht doch.

Phasen gibt es nicht nur für den Mond. Seltene Erkrankungen kommen ebenfalls in Phasen. Man kann sie jahrelang nicht sehen. Aber wenn eine da ist, kommen die anderen hinterher. Meist sind es drei, dann ist wieder Ruhe.

Zur Zeit habe ich viele Babys in der Praxis. Für Therapie noch etwas zu klein, sie begleiten die Mami. Mami geht es nicht besonders. Sie kann nicht schlafen, sieht keine Zukunft, weiß, dass das Leben nie wieder so wird, wie früher. Hat sie auch Recht mit, aber sie meint damit die guten Zeiten. Wenn es noch schlechter läuft, kann sie keine Beziehung zum Kind aufbauen, oder vermeidet sogar den Kontakt. Der Arzt gibt dann Antidepressiva, darf sie aber nicht nehmen, weil sie noch stillt. Oder sie stillt wegen den Antidepressiva ab und bekommt ein schlechtes Gewissen. Nur um der Geschichte an dieser Stelle vorzugreifen für alle eiligen Leser, die es nur bis hier schaffen: Man darf in dieser Zeit Antidepressiva nehmen und Ihr Arzt weiß auch genau, welche.

Warum kommt es ausgerechnet in dieser Zeit zu Depressionen, wenn wir sie am wenigsten gebrauchen können? Und wie können wir Schwangerschaftsdepressionen verhindern?

Die Schwangerschaft selbst ist beschwerlich, selbst für die hartgesottenen Frauen ist nach dem sechsten Monat der Spaß zu Ende. Sport muss ausfallen, die Ernährung ist suboptimal, Fisch wechselt sich mit Brownies ab. Dann kommen Entzündungen und Schmerzen. Spätestens im Kreißsaal. Unser Glückshormon, Serotonin, hasst beides. Unter Schmerzen, Entzündungen oder Stress wird kein Serotonin aus der Aminosäure Tryptophan gebildet. Stattdessen wird Tryptophan verwendet, um Kynurenine und Vitamine zu bilden. Diese Stoffe wiederum hemmen die Freisetzung von Glutamat und Dopamin im Gehirn. Auf Deutsch heißt das, dass unter diesen Bedingungen kein Glückshormon produziert wird und Antrieb und Lebendigkeit im Gehirn runtergedrosselt wird. Meine Hypothese dazu lautet, dass Stress für den Körper nur als kurzfristige Lösung gedacht ist, im Sinne von Kampf oder Flucht. Meist ist beides nach wenigen Minuten zu Ende, so oder so. Für diese Minuten kann man schon riskieren, dass kein Glückshormon produziert wird. Gleichzeitig schützt die damit verbundene Bewegung vor den Langzeitfolgen des Stresshormons. Nicht so aber bei den Schwangeren, die keinen Sport mehr machen können, schon frühzeitig krank geschrieben werden, um sich zu schonen. Die bekommen es voll ab. Schmerz, Stress und Entzündungen gehören zum normalen Programm bei der Geburt. Entzündungen, weil einfach viel Gewebe geschädigt wird und der Körper das reparieren muss.

Wenn dann nach der Geburt die Nächte kurz sind und durch das Stillen Energie entzogen wird, ist das oftmals zuviel. Serotonin wird zwar als Glückshormon bezeichnet, ist aber vielmehr Benzin für Gefühle, egal welche. Ohne diese Gefühle können wir auch keine Beziehung zu einem Kind aufnehmen. Und ohne Schlaf können wir auch nichts regenerieren. Als wäre das nicht genug, wird aus dem Serotonin Melatonin, unser Schlafhormon, produziert. Selbst wenn das Kind weder schreit, noch nachts gestillt werden muss, können Mütter daher oft dennoch nicht schlafen.

Wie können wir diese Entwicklung verhindern? Manche Mütter bereiten sich auf eine Schwangerschaft vor, in dem sie Folsäure nehmen. Sehr gute Idee. Noch besser wäre es, wenn sie die anderen B Vitamine auch gleich nehmen würden, Vitamin B6 ist hier sehr wichtig. Noch viel besser wäre es, wenn sie vor der Schwangerschaft einen Check machen würden, was ihnen fehlt, um zielgerichtet vorzugehen. Serotoninspeicher bitte vor der Schwangerschaft voll, insbesondere, wenn bei der Empfängnis nachgeholfen werden muss. Manche Frauen sind nach der dritten künstlichen Befruchtung schon mit den Nerven völlig am Ende, da hat es noch gar nicht richtig angefangen. Diese Befruchtung kostet locker mehrere tausend Euro, gönnen sie sich diese 200 Euro für einen Check Up. Wenn die Schwangerschaft da ist, bleiben sie sportlich am Ball. Schwangerschaftsgymnastik ist da längst nicht das Ende der Fahnenstange. Essen Sie zielgerichtet. Es gibt nur wenige Vitamine, die man in der Schwangerschaft untersucht hat. Daher kann man als Arzt schlecht Empfehlungen geben. Aber gegen gutes Essen sollte nichts einzuwenden sein.

Wenn das Kind da ist und die Depression auch, weil sie diesen Blog zu spät gelesen haben, merken Sie sich zumindest diesen einen Satz: „Sie können nichts dafür.“

Viele Frauen profitieren davon, wenn wir die entgleisten Neurotransmitter im Urin messen und sie dort ablesen können, dass ihr Körper im Moment keine Gefühle und keinen Antrieb produzieren kann. Es hat nichts mit Ihnen zu tun und schon gar nicht mit dem Kind. Gerade die engagierten Frauen verbrauchen mehr Gefühlsbenzin, genau wie die engagierten Mitarbeiter im Betrieb als erste Burnout bekommen, nicht diejenigen, die um 16 Uhr den Hammer fallen lassen und am Wochenende keinen Gedanken an die Firma verlieren.

Und dann mit dem Kind vorbeikommen. Keine Angst, die schlafen bei meinem Nuscheln sowieso gleich ein.

 

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